Zurück aufm Teppich

24. Februar 2010 von Gegengeraden-Gerd

Sa., 12.02.2010, 18:00: FC St. Pauli – FSV Frankfurt 0:0 (0:0)
Mo., 22.02.2010, 20:15: 1. FC Kaiserslautern – FC St. Pauli 3:0 (1:0)

... aber die Gymnastik: 1a!

Aufstieg in Braun-Weiß, und fürs Zittern sorgt nur das Wetter? Wär wohl ein bisschen viel „verkehrte Welt“ gewesen. Und auch, wenn sich das vielleicht schön angefühlt hat für den Moment: Wer zu viel in Paralleluniversen unterwegs ist, löst leicht mal Kettenreaktionen im Raum-Zeit-Kontinuum aus. Und das will man dann ja auch nicht wirklich haben.

Denn dann geht das natürlich los mit „Unwahrscheinlichkeit hoch 1910“, alles gerät aus den Fugen, und plötzlich gackert Guido Westerwelle als Stadionsprecher aus den Boxen, Mutter Beimer agiert im Sturm, und statt Astra gibt das Lebertran.

Da isses doch beruhigend, wenn schon das allseits erwartete 40:0 (Minimum!) gegen den FSV Frankfurt sich im Real-Ergebnis ein Stück schlanker präsentierte und der Fußballgott sich endlich mal wieder einen Spaß daraus machte, das gegnerische Tor mit einem dieser Kraftfelder zu umgeben, durch die auch nach 180 Minuten kein Ball geschlüpft wäre. Ja, Schicksal, du hast dich lange verstellt, aber jetzt erkenn ich dich wieder!

War beim großen Gipfelsturm auf den Betzenhügel dann ja nicht anders. Wobei da ja auch endlich mal wieder ein Stück braun-weißer Entwicklungshilfe mit im Spiel war. „Leute, dieser Region geht’s schlecht“, muss einer in der Kabine gesacht haben. Natürlich bedröppeltes Mitfühlen auf den Bänken und das große „Wasmachnwirdennda“? Da hat einer dann eben „Bälle verteilen“ vorgeschlagen, und heidewitzka! Schon ging’s los. Kaum ein Quadratzentimeter Kaiserslautern, der nicht mit einem Benefiz-Fußball versorgt worden wäre.

Also, von wegen „Fehlpass-Festival“: völliges Missverständnis. Das war Absicht! Kann ja keiner ahnen, dass die Eingeborenen so vernagelt sind und die frisch eingesammelten Bälle sofort wieder zurück apportieren, und das auch noch in unser Tor. Ob die beim Karneval auch die Kamellen wieder zurückpfeffern?

Dass in Hälfte zwo dann kein Rennen und kein Schießen mehr half, war bei nem „Underdog-Revival-Ausflug“ wie diesem natürlich klar. Anders gesagt: Es gibt ja so Ausbruchskünstler, die kratzen sich notfalls mit nem Eierlöffel durch den Beton. Aber die ham dafür auch länger als 90 Minuten.

Und so kriegte die Lauterer Abwehrwand nur wenige Kratzer. Wobei der eine oder andere im Publikum sich vielleicht ein bisschen mehr „Abrissbirne“ hätte vorstellen können nach all dem Anrennen, so’n bisschen gute alte Mittelfeld-Apokalypse Marke „Schultz“ oder so. Selbst wenn diese spezielle Zerstörungsmaschine vielleicht schon nach zehn Minuten rotglühend wieder vom Platz gefahren wäre.

Jetzt sind die verhinderten Bergsteiger also zurück auf dem heimischen Teppich, dem vielleicht schönsten und frischesten und neuesten in der Vereinsgeschichte. Und ihr Publikum wartet auf den Rängen und bibbert ein bisschen mehr als zuvor. Was nix Schlimmes sein muss. Um mal ne gute alte Weisheit aus Muttis Hausapotheke zu entmotten: Nach dem Zittern kommt das Fieber.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

Eine Antwort

  1. Jekylla

    Endlich mal wieder ein Gerd!

    Hoffentlich am Sonntag mehr Grund zur Freude als nur “Hach, ist der Rasen schön grün!”

Deinen Senf dazugeben? Man zu!

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.