Wir Kinder vom Bahnhof Bruns

1. April 2013 von Gegengeraden-Gerd

Legalize it! Foto: Stefan Groenveld

 

Moin zusammen!

Heute ist Quizzeit. Ich nenn Euch jetzt drei Drogen, und Ihr müsst mir sagen, welche bei mir nicht anschlägt. 1. FC St. Pauli gegen den FSV Frankfurt! 2. FC St. Pauli gegen Jahn Regensburg! 3. Deutschland gegen Kasachstan. Wenn Ihr’s rauskriegt, könnt Ihr weiterlesen, Antwort bitte hier eintragen: _____________________________________

Na, erraten? Genau. Drei Wochen ohne Millerntor, Ihr wisst, wie’s mir dann geht. Ich bin voll auf Truthahn. Ist ein übersetzter Fachausdruck, auf Englisch heißt das „Turkey“. Keine Ahnung, warum man nicht „Voll auf Jogi“ sagt, würde fast dasselbe bedeuten.

Man könnte auch Truthähne züchten und sie nach der deutschen Nationalmannschaft benennen. Hat man immerhin was zu tun in der Länderspielpause. Ich weiß, das ist wirr, aber das sind so die Gedanken, die man hat, wenn man so starkes Zeug in den Schädel bekommt wie wir zuletzt – und dann ist von einem Tag auf den nächsten Schluss mit lustig.

Immer diese Bilder im Kopf … Erst der Frust: Nur ein Punkt gegen Regensburg? Und dann: Gogia. Boll. Bruuuuns! Ein Stadion röhrt vor Glück. Ach was, ein ganzer Stadtteil.

Und das ist der Knackpunkt. Glück von dem Kaliber ist der erste Schritt zur Truthahnzucht. Weil man einen Stoff braucht, der nur an einer einzigen Stelle auf der ganzen Welt wächst. St. Pauli-Fan sein ist wie Ernährung auf Edelweiß-Basis.

Eins muss man unseren Jungs lassen: Sie haben versucht, Ersatz ranzuschaffen. So für ungefähr fünf Minuten war’s in der Alten Försterei in Berlin fast wie am Millerntor: Zweimal zurückliegen. Zweimal wiederkommen. Auswärts! Und Ebbe macht dabei auch noch die 100 voll. Ich weiß nicht wie viele Kinder in diesem Moment gezeugt wurden –  ja, auch zwischen Männern! –, aber das wird man ja in neun Monaten an der Geburtenstatistik ablesen können.

Bis dahin also medizinisch erstklassiger Ansatz. Wenn die Jungs noch das Siegtor gemacht hätten, wäre selbst Deutschland gegen Kasachstan mir vorgekommen wie Achtelfinale „Bokal“ 2005/6. Aber ihr wisst ja, wie’s ausgegangen ist gegen Union. Zweimal gejubelt – und dann mittenmangs rein ins Geflügel.

Gekrümmt vorm Fernseher liegen. Mit braun-weißer Folie auf der Mattscheibe das Programm auf Millerntor umbiegen wollen. Zählen, wie viele Buchstaben Schweinsteiger und Boll gemeinsam haben. Zweifeln, ob sie auch nur einen ähnlichen Zellaufbau gemeinsam haben. Kalter Schweiß auf der Stirn. Sehnsucht im Herzen. Den gebrochenen Blick zur Decke gerichtet, wo die braun-weiße Fahne hängt wie der Mond über St. Pauli. Und dann die Schreie: „Bruuuns! Bruuuns! Bruuuuuunns!“

Also Jungs: Ihr merkt, ich brauche mehr, und ich weiß, Ihr habt mehr. Darum: Bitte nicht lange fackeln heute!

Mit sehnsüchtigen Grüßen,

Euer Gerd

 

Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.