Unheimlicher Fußball der Dritten Art

16. April 2008 von Gegengeraden-Gerd

So, 06.04.2008, 14:00: FC St. Pauli – SC Freiburg 5:0 (3:0)
Fr, 11.04.2008, 18:00: SV Wehen Wiesbaden – FC St. Pauli 1:3 (0:0)

8:1 Tore aus zwei Spielen! 10 Punkte bis zur Abstiegszone!! Auswärtssieg trotz 0:1-Rückstand!!! Fußball wie vom anderen Stern !!!! Äh, Moment – Stern?

Manche wollen ja Ufos gesehen haben über unserem Trainingsgelände, kurz vorm Freiburg-Spiel. Man kennt das ja: unheimliche Geräusche. Silberscheiben am Horizont. Gleißendes Licht. Und hui-wusch ist man drei Tage vom Erdboden verschluckt. Am vierten wird man im Adamskostüm und mit seltsamen Tätowierungen am Steiß aus dem Nichtschwimmerbecken des örtlichen Freibades gefischt (Alternative: öffentlicher Springbrunnen) und brabbelt in fremden Zungen, die keinem bekannten Dialekt dieses Planeten gleichen, nicht mal Sächsisch.

Wenn man wieder im Stande ist, sich zu artikulieren, findet irgendein unangenehm aufgewecktes Kleinkind über zwei, drei Fangfragen zur Vergangenheit ihres Lieblings-Kaninchens auf, dass man in Wirklichkeit gar nicht man selbst ist, sondern ein Klon vom Planeten Ploppdich, der übermenschliche Fähigkeiten aufweist und nur noch den Marschbefehl zur Vernichtung der Erde abwartet.

Und da frag ich mich doch: Ist das noch mein St. Pauli? Oder werden die echten Kiezkicker bei Wasser und Astronautenfutter gefangengehalten, irgendwo um die Ecke vom Mars? Was für ein Albtraum! Dass man vor der eigenen Mannschaft Angst haben muss, kennt man ja als Fan des FC St. Pauli. Aber doch nicht, weil sie plötzlich Fußball spielt!

Und wem der Albtraum zu wild ist: Ich hab da noch einen. Realistisch wie der Siegeszug des Kapitalismus. Jetzt mal nachdenken, alle zusammen: Wer fährt freiwillig zu fast jedem Spiel der TSG 1899 Hoffenheim und hat fast so viel Geld wie Dagobert Duck? Und wer sitzt heute garantiert im Publikum? Hopp ist sein Name, Portemonnaie seine Funktion, und wenn unsere Jungs heute wieder so spielen wie zuletzt, dann kann man sich an zehn Fingern ausrechnen, wie das ausgeht.

„Traumfußball! Das ist nicht mehr mein St. Pauli“, hauche ich ergriffen. „Stimmt“, sacht Hopp, „das ist mein St. Pauli.“ Und weg isser zum Fanshop-Tresen, Geldkoffer unter dem Arm: „Einmal die Mannschaft büdde. Und hübsch einwickeln, soll ein Geschenk sein.“ Au weia. Vielleicht doch lieber die Ufo-Entführung?

Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.