Traumdeutung

27. März 2014 von Gegengeraden-Gerd

Sonnabend, 22. März 2014, 13 Uhr: FC St. Pauli – FC Ingolstadt 0:0 
Dienstag, 25. März, 17:30 Uhr: SC Paderborn – FC St. Pauli 3:0 (1:0)

 

Moin zusammen!

Träumt Ihr auch manchmal, dass Ihr die Post wärt? Mir geht das laufend so in letzter Zeit. Augen zu und die Post geht ab, im wahrsten Sinne. Problem: Sind alles Albträume.

In den Träumen hat irgendein Superschurke die zentrale Steuerelektronik der Briefverteilanlagen gegen ein altes „Pac Man“-Spiel ausgetauscht.

Das schlägt natürlich irgendwann auf die Qualität der Dienstleistung durch: Baden-Baden statt Henstedt-Ulzburg, Bottrop statt Jena, Oberammergau statt Flensburg. Nichts kommt mehr an. Kein Brief, keine Karte, kein Päckchen.

Heilloses Chaos! Völlig verzweifelt schrei ich den ratlosen Postboten Richtungen zu – „Glauchau! Glauchau!!! Hardegsen  Reckenfeld, Gondenbrett!“ Doch am Ende kommt immer was völlig Anderes raus. Quakenbrück statt Freudenstadt,  Unter- statt Oberkochen, Witzwort statt Trostberg.

Ich hab das mal meiner Nachbarin erzählt, die befasst sich mit Traumdeutung und so. Und die meinte gleich: „Gerd – kann das mit irgendwas zusammenhängen, das Du in letzter Zeit im Stadion erlebt hast?

Interessanter Gedanke. Lass ich mal so stehen.

Weil, mal so ganz wertneutral: Tags im Stadion ist tatsächlich gerade nicht übertrieben viel Ablenkung von den Albträumen nachts.

Bei Auswärtsfahrten nach Paderborn hab ich ja schon seit längerem ne Sonderregelung mit dem Fanladen, dass ich die unterm Bus knapp über der Straße hängend absolvieren darf. Nur so sind die 90 Minuten im Stadion angenehm im Vergleich.

Ich sach mal: Allmählich reicht das nicht mehr.

Ganz abgesehen davon, dass ich dieselbe Methode allmählich auch bei Heimspielen anwenden müsste, wenn das so weiterginge wie gegen Ingolstadt. Meine Güte. Zugucken als Leistungssport. Jeder Blick ein Klimmzug!

Wobei das Schlimme ja nicht mal der Fußball ist: Fehlpässe, Rumstochern im Mittelfeld, Abstöße, die sofort zurückkommen, verdaddelte 100-Prozentige (doch, gab’s! Sogar gegen Paderborn!) – alles schon erlebt. Und dabei nicht Relegationsspiele gegen Vorortvereine im Blick gehabt. Sondern den Abgrund.

Ist nur so, dass die Hornhaut auf den Augen fehlt. Oder anders gesagt: Vielleicht ist der Traum das Problem. Das Gefühl, dass da noch mehr gehen müsste. Das Klappern im Überraschungsei. Es klappert und klappert. Und dann ist das Ding aus Granit statt Schokolade und man kriegt’s einfach nicht auf.

Ich lass das Rappeln jetzt mal. Und was die Albträume angeht: Ich hab mir gerade ne Liste mit den tristesten Ortsnamen Deutschlands ans Bett gehängt: Einöde! Schlimmerstätt! Schreckenbach! Qualburg!

Wenn das Steuerungszentrum immer noch spinnt, komm ich stattdessen in meinem Träumen endlich wieder am Millerntor an. Vielleicht sogar als Europacupsieger.

Tiefenpsychologische Grüße,
Euer Gerd

Auch erschienen in VIVA ST. PAULI Nr. 194 (28. März 2014)

Veröffentlicht in FC St. Pauli

3 Antworten

  1. Toby

    Hey Gerd,
    kannst Du hier bitte, bitte mal ein Flattr Plugin installieren? Deine Texte sind so schön, da würd ich zu gern einen Groschen in den Hut werfen!

    Danke,
    Toby

  2. Die Tabelle lügt doch. Oder: Sprachlosigkeit. #FCSP in Paderborn | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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  3. Vorfreude oder rette sich wer kann? | Blutgrätsche Deluxe

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.