Stöpselpanik

22. September 2012 von Gegengeraden-Gerd

Außer Puste. Foto: Magischerfc.de

Fr., 21.09.2012, 18:00: FSV Frankfurt – FC St. Pauli 2:1 (1:0)

Ich verrate Euch jetzt mal ein Geheimnis. Über die einzige Sache auf der Welt, die mich wirklich in Panik versetzt (ja, noch mehr als wenn Fin Bartels ne Hundertprozentige auf dem Fuß hat).

Es ist die Stille vor dem „Pffft“. Kennt Ihr doch bestimmt: Luftmatratzenaufblasen. Man müht sich und glüht sich und hustet und pustet und gibt einfach alles, damit das Ding schön knackig prall wird und man sich endlich drauf ausruhen kann.

Irgendwann denkt man „Es ist so weit!“. Man hält den Daumen aufs Pusteloch und macht einen unendlichen Moment lang Pause.

Nur eine Sache fehlt, eine einzige noch, und der Drops ist gelutscht: Wär ja schön, wenn man den Daumen einfach drauf lassen könnte. Aber das geht eben nicht. Es muss noch der Stöpsel rein.

Darum: Daumen hoch und – „Pffffft“! Panik, wilde Panik: bloß schnell jetzt!  „Pffffft“! Ein einziger Fehler, und die ganze kostbare Luft ist wieder draußen!  „Pffffft“! Alles, wofür man gearbeitet, alles, wofür man sich gemüht hat, einfach weg!  „Pffffft“!

Tja, und dann passiert, was passieren muss: Der Stöpsel rutscht ab. Und die ganze Chose beginnt von vorn. Versteht Ihr, was ich meine?

Unser Spiel beim FSV Frankfurt war nämlich ganz genau so.

Aber der Reihe nach: Erst mal aus heiterem Himmel das 0:1 gefangen: geschenkt.

Manchmal glaub ich ja, unsere Spezialisten lassen sich extra so’n Ei ins Netz legen, damit sie was zu brüten haben. Ist wie mit Legehennen: Erst mit Gipseiern laufen die richtig zur Höchstform auf. Hab ich von meiner Tante Kriemhild gelernt, die ist aufm Gehöft aufgewachsen. (Und jetzt denkt mal an so gloriose Gipsei-Spiele wie Union Berlin oder 1860 München in der letzten Saison!)

Und so war das auch bei unseren, so allmählich kam da richtig „Zack“ ins Spiel, und wenn da nicht kübelweise Blut von den ganzen ermordeten Chancen aus dem Hirn zu wischen gewesen wäre: Ich hätte mich gut amüsiert.

Ginczek, Ginczek. Ginczek! GINCZEK! Bartels, Schindler – sogar Thorandt: Blutwurstmachen ist ein Entspannungsbad dagegen.

Aber was soll’s – denn plötzlich haut Ginczek das Ding im gefühlt 1910. Versuch doch noch rein, und HURRA! Plötzlich ist die Luftmatratze voll, prall voll!  Der Daumen ist auf dem Pusteloch, jetzt nur noch den Siegerstöpsel rein, das sichere 2:1 für den „magischen FC“, und dann wohlverdient ausruhen!

So ein Tor nach so viel Anlauf, das muss doch wahre Leistungsexplosionen freisetzen, das kann doch nur eine Frage der Zeit …

Tja, und dann, in der 62. Minute, nur vier Minuten nach unserem hochverdienten Ausgleich? Da steht das wirklich 2:1! Nur leider für Frankfurt.

„Pfffffffft!“ – abgerutscht. Matratze fast leer. Und wie Matratze, so Spiel: Klar, die Jungs versuchen noch was, aber je länger das Spiel geht, desto mehr spürt man den rauen Untergrund durchs Material.

So ist das eben, wenn die Luft raus ist. Kennt Ihr vielleicht vom Camping.

Und was bleibt: 0 Punkte. Von wegen Ausruhen. Kein Drei-Punkte-Polster. Nicht mal ein Ein-Punkte-Luftrest.

Besser gespielt als in Köln, vielleicht sogar besser als gegen Sandhausen – dafür aber 0 Punkte mitgenommen: Was unsere Jungs da jetzt wohl an pädagogischen Erkenntnissen mitnehmen?

Hoffentlich nicht die:

„Wir lassen das jetzt mit den Luftmatratzen. Wenn’s klappt, liegt man zwar gut, aber das Risiko ist zu hoch. Ab jetzt nur noch Isomatten. Endgültig! Kann man zwar nicht drauf rumspringen  – aber was soll’s.“

Ein Jahr nur noch Isomattenfußball? Ich glaub, es gibt doch noch was anderes, vor dem ich Panik habe.

 

Mehr zum Spiel: Metalust (“Entmumifiziert und transformiert”), Bericht und Bilder bei MagischerFC, Bericht Siamo Tutti, Bericht KleinerTod (“3M: Millerntor Gallery, Museum & Macht nichts”), Berichte im Übersteiger-Blog und bei Fabulous Sankt Pauli

Auch interessant: ZDF.de über “Museum statt Goliathwache”

Veröffentlicht in FC St. Pauli

7 Antworten

  1. Entmumifiziert und transformiert. Ein Fussball- und Kunstabend. « Metalust & Subdiskurse Reloaded

    [...] Denn, wie schreibt die Mutter von Norman Bates, äh, der Gegengeraden-Gerd vom Dingens, äh, ja. Lehne mich zurück, nippe am Laphroaig Quarter Cask, danke, P.A., danke. S.! Der Whiskey umspült die verkaterte Zunge. Wärme breitet sich wohlig aus im Brustraum. Aromen finden freudigen Empfang. Geschmacksnerven lehnen sich genüßlich zurück und spüren den Torf hinter der Schärfe, genießend. Das Auge trinkt mit, eine hübsche Farbe hat das Zeug. Weil ja der Gegengeraden-Gerd schrub: “Kennt ihr vielleicht vom Camping.” [...]

  2. Zaphod

    Isomatten soll man angeblich auch aufpusten können, hat man mir aber erst am nächsten Morgen gesagt. Ich versteh Deine Panik, aber vielleicht sind unsere Jungs ja clever und steigen um auf ein selbstaufblasendes Luftbett.

  3. Gegengeraden-Gerd

    Aufblasbar? Neumodisches Zeug!
    http://www.globetrotter.de/de/beratung/produktpflege/media/4_1.jpg

    Aber jetzt wo du’s sagst: die Flause mit dem “Selbstaufblasend” haben unsere Jungs vielleicht schon länger im Kopp …
    (Aber auch die brauchen eine Pumpe …)

  4. #FCSP 3M: Millerntor Gallery, Museum & Macht nichts – Niederlage gegen FSV Frankfurt bei tollem Einsatz « KleinerTods FC St. Pauli Blog

    [...] hatten es da schon weitaus schwerer, zu einem schönen Fazit zu kommen. http://www.gegengeraden-gerd.de/fc-st-pauli/stoepselpanik/ amüsiert hingegen wie gewohnt – gerade bei solchen Ergebnissen kann Humor ja eh nicht schaden. [...]

  5. 6.Spieltag (A) – FSV Frankfurt | Übersteiger-Blog

    [...] – Bericht Gegengeraden-Gerd: “Stöpselpanik” – Bericht Magischer FC – Bericht siamo tutti – Bericht Kleiner Tod [...]

  6. Review 21.09.2012 FSV Frankfurt vs. FC St. Pauli 2:1 « Fabulous Sankt Pauli

    [...] Man kann natürlich auch das Beste draus machen und das schafft mit seiner unvergleichlichen Art immer wieder der Gegengeraden-Gerd. [...]

  7. Die Blogschau für Montag, den 24.09.2012 | Fokus Fussball

    [...] Gegengeraden Gerd vergleicht das Spiel mit dem Aufblasen einer Luftmatratze und dem Moment, wo man verpasst, den Stöpsel drauf zu machen. Ich verrate Euch jetzt mal ein Geheimnis. Über die einzige Sache auf der Welt, die mich wirklich in Panik versetzt (ja, noch mehr als wenn Fin Bartels ne Hundertprozentige auf dem Fuß hat). [...]

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.