Steuertrick
Do, 20.03.2008, 18:00: FC St. Pauli - VfL Osnabrück 2:1 (1:0)
So, 30.03.2008, 14:00: SC Paderborn 07 - FC St. Pauli 4:1 (1:1)
Bloß gut, dass ich keine Sekretärin habe. Tippen und schreien ist ja noch gleichzeitig machbar. Aber diktieren und schreien? Geht ungefähr so gut wie Flöte spielen und singen.
Und schreien muss sein jetzt, sonst krieg ich Trauma. Zum Glück haben meine Nachbarn Verständnis. Kurzer Zettel an der Haustür hat schon gereicht: „Liebe Nachbarn, war in Paderborn, könnte etwas lauter werden die nächsten Tage, bitte um Verständnis, Gerd. P.S.: Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch rein und schreien Sie ein Ründchen mit. Ich hab tolle Bilder vom Auswärtsspiel, wenn Sie keinen eigenen Anlass haben.“
Einer meiner Nachbarn war tatsächlich da. Steuerberater der Mann. Hatte auch gleich eine gute Idee: Wenn er sein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen kann – was ist dann mit dem häuslichen Abschreizimmer für St. Pauli-Fans? Eigentlich ein absolutes „Muss“! Schließlich haben nicht alle so nette Nachbarn wie ich, und man muss doch auch mal darüber nachdenken, wie viele Arbeitsplätze das schaffen würde: Boomjahre in der Geräuschdämmungsindustrie, Goldrausch bei Gummimattenherstellern – ein ganz neues Standbein für unsere gebeutelte Volkswirtschaft.
Die Werbekampagne für das Ganze könnten ja die Spaßvögel machen, die das lustige Transparent gegen Osnabrück ausgedacht haben. Ihr wisst schon: „Ihr seid alle ein Stück Sch…“ Endlich mal was wirklich Originelles! Meinem fußballgeschmacksverirrtem Kollegen Rothosen-Ernie ihm sein Schwager ist ja Werber, und als ich dem das nach dem Spiel erzählt habe, ist der gleich völlig begeistert in seiner Ideen-Lounge verschwunden. Ist sowas wie’n Heimwerkerkeller, aber „für Kreative“, sagt der Schwager.
Naja, drei Tage später kam er dann wieder raus, und er hatte tatsächlich was noch Besseres: „BLÖD DOOFPUPS“! Ist das nicht super? Schlicht, verständlich, passt immer. Muss man nicht für jeden Gegner nächtelang neu überlegen wie für das Osna-Glanzstück. Das war bestimmt monatelang in der Entwicklung! Wobei – Gereimtes wird ja auch immer gern genommen… So lange es körpernah bleibt.
Also noch ein paar Vorschläge: „Schnurz wie ein Furz!“ „Ki-ka-Kotze, heute gibt das Motze!“ „E-E-Exkrement, von euch wird heut der Sieg verpennt“! „Würg, reiher, brech – euch haun wir heute wech!“ Aber vielleicht ist die schlichteste Variante immer noch die beste: „Unsere sind länger als eure!“ Bin schon gespannt, was auf der nächsten Pappe steht.
« Voriger Artikel: Eckball-Kanone
» Nächster Artikel: Unheimlicher Fußball der Dritten Art
Veröffentlicht in FC St. Pauli