Sternbild: Zwilling
Mo., 12.04.2010, 20:15: FC St. Pauli – FC Augsburg 3:0 (0:0)
Sa., 17.04.2010, 13:00: Union Berlin – FC St. Pauli 2:1 (1:1)

Was die Leute so reden: „Sternstunde“ zum Beispiel. Dolles Wort, aber was sacht das eigentlich? Mach mal’n Grillfest auf der Sonne: Da ist die Wurst schon nach Nanosekunden verbrutzelt, mein Freund! Und dann strahlt da alles so hell, dass man vor lauter Orientierungsverlust fast verschütt geht.
So ähnlich ging mir das gegen Augsburg: Zuckerpässe! Übersteiger!! Fußballgötter allesamt!!! Und ich ohne Sonnenbrille. Absolute Erblindungsgefahr! Und es war laut und tumultös, und die Ultras sangen, und die Normalos schrien, und die Klänge verwischten wie die Aquarellfarben auf den Selbstfindungsmalhilfekursbildern meiner Base Brunhild, bloß dass dieses Klanggemälde hier gut aussah, besser als alles, was ich seit langem gesehen hatte.
Und dann weigerten sich die Herren Lehmann und Ebbers auch noch beharrlich, Tore zu schießen, die nicht „Tor des Monats“-verdächtig sind! Ja, doch: Das war eine Sternstunde, gleißend und gefährlich, Todesstrahlen für den Zweckpessimismus. Gefallen hat mir das bestens.
Nur leider: Immer, wenn du glaubst, es geht noch mehr, kommt von irgendwo ein kleines Nichtsein her. Hat schon der olle Schäiksbier so ähnlich gesagt, der war ja auch St. Paulianer. Und so kam’s dann auch. Der Himmel über Berlin knallblau, nur Sterne waren keine drin. Rückstand, Ausgleich, das ging ja noch an.
Aber wo gegen Augsburg der Schiri vom braun-weißen Budenzauber so beeindruckt war, dass er glatt ein Tor für den Gegner nicht gab, war’s gegen Berlin umgekehrt. Also kein 1:2 für uns. Also Schicksal wie so oft. Also Siegtor in der 87. für die Falschen.
Also mal wieder Zwei-Spieltage-Gala der st. paulianischen Zwillinge „Himmelhochjauchzend“ und „Zutodebetrübt“. Unzertrennlich die beiden. So kann man „You’ll never walk alone“ natürlich auch verstehen.
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Veröffentlicht in FC St. Pauli


7. Mai 2010 um 22:53
cooler artikel echt super