Sternbild: Zwilling

18. April 2010 von Gegengeraden-Gerd

Mo., 12.04.2010, 20:15: FC St. Pauli – FC Augsburg 3:0 (0:0)
Sa., 17.04.2010, 13:00: Union Berlin – FC St. Pauli 2:1 (1:1)

... wollen wir's hoffen! (Foto: Antje Frohmüller)

Was die Leute so reden: „Sternstunde“ zum Beispiel. Dolles Wort, aber was sacht das eigentlich? Mach mal’n Grillfest auf der Sonne: Da ist die Wurst schon nach Nanosekunden verbrutzelt, mein Freund! Und dann strahlt da alles so hell, dass man vor lauter Orientierungsverlust fast verschütt geht.

So ähnlich ging mir das gegen Augsburg: Zuckerpässe! Übersteiger!! Fußballgötter allesamt!!! Und ich ohne Sonnenbrille. Absolute Erblindungsgefahr! Und es war laut und tumultös, und die Ultras sangen, und die Normalos schrien, und die Klänge verwischten wie die Aquarellfarben auf den Selbstfindungsmalhilfekursbildern meiner Base Brunhild, bloß dass dieses Klanggemälde hier gut aussah, besser als alles, was ich seit langem gesehen hatte.

Und dann weigerten sich die Herren Lehmann und Ebbers auch noch beharrlich, Tore zu schießen, die nicht „Tor des Monats“-verdächtig sind! Ja, doch: Das war eine Sternstunde, gleißend und gefährlich, Todesstrahlen für den Zweckpessimismus. Gefallen hat mir das bestens.

Nur leider: Immer, wenn du glaubst, es geht noch mehr, kommt von irgendwo ein kleines Nichtsein her. Hat schon der olle Schäiksbier so ähnlich gesagt, der war ja auch St. Paulianer. Und so kam’s dann auch. Der Himmel über Berlin knallblau, nur Sterne waren keine drin. Rückstand, Ausgleich, das ging ja noch an.

Aber wo gegen Augsburg der Schiri vom braun-weißen Budenzauber so beeindruckt war, dass er glatt ein Tor für den Gegner nicht gab, war’s gegen Berlin umgekehrt. Also kein 1:2 für uns. Also Schicksal wie so oft. Also Siegtor in der 87. für die Falschen.

Also mal wieder Zwei-Spieltage-Gala der st. paulianischen Zwillinge „Himmelhochjauchzend“ und „Zutodebetrübt“. Unzertrennlich die beiden. So kann man „You’ll never walk alone“ natürlich auch verstehen.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

Eine Antwort

  1. Grün Weiss

    cooler artikel echt super

Deinen Senf dazugeben? Man zu!

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.