Spiegelbilder
So., 31.08.2008, 14:00: FC St. Pauli – Rot-Weiß Oberhausen 4:1
Fr., 12.09.2008, 18:00: 1. FC Kaiserslautern – FC St. Pauli 4:1
Soll ich jetzt wirklich über Lautern reden? 2008-Lautern, meine ich? Die Region, gegen die wir schon ein ganzes Mal gewonnen haben? Jawoll, es war 1990. 1:0 in der letzten Minute. Ich war dabei, und es hat mir besser gefallen als der letzte Freitag. Lasst uns also lieber über was Schönes reden.
Ich war beim Zahnarzt neulich. Wurzelbehandlung. Der Lesestoff im Wartezimmer ist natürlich so’n bisschen naja. Keine Viva St. Karies oder so. Aber man ahnt nicht, was man alles aus dem „Goldenen Blatt“ lernt. Großer Wissenschaftsjournalismus: „Die Symmetrie der Schönheit“.
Ganz einfache Kiste: Die ham so’n büschen mit‘m Computer rumgepusselt und festgestellt, dass ein Gesicht am schönsten aussieht, wenn es absolut gleichmäßig ist. Links wie rechts perfekt spiegelbildlich. Ist ja auch nachvollziehbar. Eiterpickel links? Viel weniger auffällig, wenn rechts auch einer ist. Minus mal Minus gibt Plus. Lernt man inner Schule ja auch.
Und auf einmal hab‘ ich verstanden, was unsere Jungs vorhaben. Aber eins nach dem andern. Schließt erstmal die Augen und stellt euch vor, ihr wärt beim Oberhausen-Spiel. So zirka Minute acht, dicht bei der Mittelinie. Pass auf Trojan. Zwei Gegenspieler in seiner Nähe. Stört ihn nicht: links vorgelegt, rechts am Gegenspieler vorbeigezogen, ab in den Strafraum, quer, und: Ebbers! TOR! Fußball für die Ewigkeit, zum Sterben schön.
Tja, und irgendwann nachm Spiel hat dann bestimmt einer das „Goldene Blatt“ unter der Bank vorgezogen und gesagt: „Schön gespielt Jungs. Aber hier steht: Wahre Schönheit ist immer symmetrisch. Da reichen ein paar dolle Spielzüge nicht aus.“ Und weil unsere Jungs Ästheten sind, gab’s kein Pardong: Nach 4:1 kommt 1:4. Sonst ist das ja nich gleichmäßig.
Dann noch die Deko – konsequentes Farbkonzept mit viel Rot – und der Platz in der Galerie ist gebongt. So gesehen wird das Säsong-Konzept heute festgeklopft: Wenn die ersten sechs schön symmetrisch sein sollen, muss gegen München ein 5:2 her, remember Fürth? Mal sehen, ob’s klappt.
« Voriger Artikel: Im Keller liegt die Klarheit
» Nächster Artikel: Das Gerdsche Gesetz
Veröffentlicht in FC St. Pauli



21. Oktober 2008 um 12:59
[...] ist, kann jeder selbst entscheiden. Und ob ich mich jetzt wirklich freuen soll, dass meine gute alte Spiegel-Theorie wieder gilt, weiß ich auch nicht so genau [...]