Gehirnwäsche rückwärts

10. März 2008 von Gegengeraden-Gerd

So, 02.03.2008, 14:00: Kickers Offenbach - FC St. Pauli 4:3 (1:2)

Doch, doch, war ein schönes Wochenende neulich, vielen Dank. Fünf Trillionen Kilometer bis Frankfurt-Süd für 75 Minuten Fußball und einen kaputten Vogel. Aber der Reihe nach: Volker Sittich ist mein Mitbewohner, hat Federn und ist ein verdammt guter Geräuschimitator. Bestes „Never Walk Alone“ der Geflügelwelt!

Bis Rothosen-Ernie sein Repertoire versaut hat. Kollege und Sittich-Sitter. Trotz falschem Fußballglaubensbekenntnis (kann er nix für, schlimme Kindheit). Stellt euch die Szene vor: Ich komm’ nach Hause vom 1:1 gegen Fürth. Und was hör ich aus der Sittich-Voliere? „Wer – wird deutscher Meister ? Ha, ha, ha …“ Ernie hat meinen Mitbewohner umprogrammiert!

Hilft nur Gehirnwäsche rückwärts, denk ich, mach den Reisekäfig klar und schmuggel meinen Piepmatz eine Woche später an den Bieberer Berg. Nicht ohne mit Ernie zu wetten, dass ich das schaff natürlich. Lief ja auch glänzend erstmal. 3:1 kurz nach der Halbzeit – ich freu mich schon auf das Auswärtssiegs-Wunschkonzert aus dem Vogelkäfig und frage mich, was Volkers Lieblingshymne wird.

Dann stellt der Schiri Ludwig vom Platz. Zeigt Trojan die Gelbe nach Offenbacher Rudelbildung. Und erreicht eine wunderbare Trotz-Reaktion, St. Pauli-Style: Trotz sicherem Sieg vergeigt. Ich meine, Leute: Wenn schon Spieler-Streik wegen Schiri-Frust, dann richtig! Anketten am Torpfosten, rote Leibchen, Trillerpfeifen, Protestschilder. Scheintot am eigenen Sechzehner rumeiern und die Pille nach vorn dreschen bringt nix! Außer dem Sieg für den Gegner natürlich.

Statt Siegesgezwitscher also Schimpfkanonade. Volker Sittich und Gerd Rohrspatz in Hochform. Fragt mich nicht, was ich alles gesagt habe. Fragt mich nicht, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich kenne nur Volker Sittichs neuesten Schnack: „ALLE VERKAUFEN! ODER AM MITTELKREIS VERSCHARREN! VER-KAU-FEN!!!“ Und das rund um die Uhr! Ich bin völlig mit den Nerven runter.

Darum folgender Deal, liebe Mannschaft: Ich bring Volker gegen Sechzig nochmal mit. Ihr zeigt den Löwen, was ne Auswärtsniederlage ist. Und ich überleg mir die Sache mit dem Mittelkreis nochmal. Einverstanden?

Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.