Schlafes Brüder

10. April 2013 von Gegengeraden-Gerd

Samstag, 6. April, 13 Uhr:  SG Dynamo Dresden – FC St. Pauli 3:2 (0:0)

Was Leute nicht alles anstellen, um wach zu bleiben. Ich kannte mal einen, der ist immer die Zweitemperaturmethode gefahren: oben heißen Kaffee rein, unten barfuß im Eiswasserzuber.

Leider hab ich keine Ahnung, wie man so was im Fußball anstellt. Trockeneis in die Turnschuhe? Koffeinfasern ins Trikot? Wenn die Spieler beim Spiel Oberhemden tragen würden, so wie ganz früher mal, dann könnte man auch die Sicherheitsnadeln drinlassen, mit denen die im Kaufhaus immer zusammendingst sind. Kann sehr belebende Wirkung haben, weiß ich aus eigener Erfahrung.

Meckert da einer? Natürlich wär das fies. Aber wenn das schon Sadismus sein soll – was war das letzte Woche in Dresden? 2:0-Auswärtsführung, Leute, zwei zu null! Ich hab im Kopf schon Trostbotschaften an die „Dynamo-Oma“ geschrieben (die gibt das wirklich!) und mich gefragt, wie ich die Kekse von Tante Kriemhild mit in den Briefumschlag kriege. Und plötzlich bricht kollektive Narkolepsie aus, dass man das Schnarchen noch in Bad Bevensen gehört haben muss!

Mann, Mann, Mann: 2:3 nach 2:0. Wer so ne Verwandlung hinkriegt, kann selbst Blumenerde zu Gold machen. Bloß umgekehrt. Die Entdeckung der Alchimie im Fußball!

Andere Theorie: Vielleicht ist das mit dem Spieledrehen zu Hause und auswärts neuerdings so wie mit Klospülungen auf der Nord- und auf der Südhalbkugel. Abfluss hier: Wirbel dreht linksrum. Abfluss Australien: Wirbel dreht rechtsrum. Wenn man das googelt, stimmt das zwar nicht. Aber was in der Physik nicht passt, muss deshalb ja im Fußball nicht verkehrt sein.

Also bitte wieder linksdrehenden Fußball am Samstag. So wie letztes Mal gegen 1860. 4:2 nach 0:2, wisst Ihr bestimmt noch. Ich würd mich aber auch nicht gegen ein 3:0 zur Halbzeitpause beschweren.

Spannung ist gut und schön, aber drei unzerkratzte Punkte haben auch was für sich. So ein richtig schön souveräner Heimsieg wie damals gegen Frankfurt, das wär doch mal Balsam für den Kreislauf. Tschauni kann ja trotzdem in der 90. nach vorne laufen. Diesmal hätt ich dann gerne einen Fallrückzieher.

Und was die Vorbereitung für die nächste Auswärtstour angeht – die kann man über ein paar einfache Fußballweisheiten lösen:

– Der Ball ist rund (lassen wir so).

– Ein Spiel dauert 90 Minuten (lassen wir auch so).

– Nur Auswärtsspiele des FC St. Pauli nicht, die werden nach dem Führungstreffer für die Gästemannschaft abgepfiffen (ab jetzt bitte so machen).

Einverstanden? Wunderbar. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.