Schattentraining
Fr., 30.01.2009, 18 Uhr: VfL Osnabrück - FC St. Pauli 2:2
Die Welt ist eine riesige Verschwörung. Merkt man schon daran, dass das so schwer zu beweisen ist. Und wenn man mal ganz dicht dran ist, passiert sowas wie in Osnabrück.
Erste Halbzeit: Gekickte Anarchie. Bald schon wildes Chaos im braun-weißen Strafraum. Dass Ex-Kiezkicker Braun seine Chance zum 1:0 nicht nutzt, wirkt wie ein Gruß an den früheren Arbeitgeber. Tiefpunkt dann in der 9., als ein gewisser Geißler den Ball lässig in Hains Kasten deponiert wie Altglas im Recycling-Container. Den Figuren sollen Fußballgott Stani und Fußballgott Truller wochenlang Spielzüge eingebimst haben? Ausgeschlossen! Es sei denn, die Jungs haben in Wahrheit zwei Trainings: Das offizielle bei Tag, von dem alle wissen. Und das Schattentraining bei Nacht, in dem alles wieder zunichte gemacht wird.
Diesen Figuren sollen Fußballgott Stani und Fußballgott Truller wochenlang Spielzüge eingebimst haben? Ausgeschlossen!
Irgendwann steht so’n vermummter Kobold mit Knarre am Spielerhimmelbett.“Los! Anziehen! Raus aufn Platz!“ Und während Stani und Truller von braun-weißen Schäfchen träumen, wird draußen das Chaos gedrillt: Flache, kurze Ecken ins Nirgendwo. Lange Bälle zum Mond. Autogenes Training im Strafraum („Meine Augenlider werden schwer …. Ich bin vollkommen entspannt“). Und so weiter. Jede Nacht! Darum waren die auch so platt beim Testspiel gegen Wolfsburg. Erzählen oder Polizei holen ist nicht, dann erledigt die Fußball-Mafia Ehefrau, Automechaniker oder Playstation 3.
Nur so kann die erste Halbzeit gegen Osnabrück zustande gekommen sein. Aber als ich mir eben ausmale, wie ich den Skandal auffliegen lasse, kommt Halbzeit zwei. Und plötzlich gibt’s Pässe. Ankommende Pässe! Sako mischt die gegnerische Abwehr auf, als wär er ferngesteuert und Maradona am Steuerpult. Hennings zeigt, dass er bei Geißlers Klömmelsball aus der ersten Halbzeit als einziger nicht geschlafen hat (kein Wunder, da saß er ja noch auf der Bank). Und serviert fast das gleiche Ding einmal zurück.
Wahrscheinlich gibt das zwei Trainings: Das offizielle bei Tag, von dem alle wissen. Und das Schattentraining bei Nacht, in dem alles wieder zunichte gemacht wird.
„Erfolgreiche Verschwörungen sehen anders aus“, will ich gerade denken, als drei Nanosekunden später ganz Osnabrück ausflippt. Der liebe Herr Peitz aus eben dieser Stadt hat mitten in den braun-weißen Torjubel hinein das 2:1 geköpft. Gegenwehr? Wozu! Worüber ich mich nicht mal angemessen aufregen kann, denn schon geht’s wieder andersrum. Hennings fällt hin, Bruns verwandelt den Elfer, die Fußballwelt ist wieder im Gleichgewicht. Und ich sitz da und kann die große Verschwörung schon wieder nicht beweisen.
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