Puschenkino

13. August 2012 von Gegengeraden-Gerd

Die netten Herren Bruns und Gunesch freuen sich über ihr Wiedersehen und rangeln ein bisschen.  Foto: Stefan Groenveld

Sa., 11.8.2012: FC St. Pauli – FC Ingolstadt 1:1 (0:0)

Liebe Tante Kriemhild,

hab ganz lieben Dank für die schönen neuen Stadion-Puschen. Wie geschaffen für mein neues Wohnzimmer!

Alles ist noch so frisch und empfindlich auf der Gegengerade. Da möchte man ja, dass alles hübsch bleibt. Wie der neue Velours von Dir und Onkel Werner.

Vielen Dank auch, dass Du mir Deinen Winterschlussverkaufs-Schutzhelm geliehen hast. War aber nicht so wie damals bei dir und den heruntergesetzten Kaschmir-Westen bei C&A. Blieb alles ganz entspannt.  

Mit dem Fußball war das genauso. Weißt Du noch, die Postkarte vom Millerntor, die ich Dir mal geschrieben hab? Das war ja auch gegen Ingolstadt. Und irgendwie war das diesmal so ähnlich.

Ein Schüsschen hier, ein Fehlpass da, etwas Mittelfeldgehäkel, und ab und zu zieht ein wenig Fußball vorbei wie ein Containerdampfer auf der Elbe.

Bloß dass beim Postkartenspiel damals halt die Gegengerade noch alt war, dass die Sonne nicht schien und dass wir damals 1:0 gewonnen hatten. Hand-Elfmeter, weißt Du noch? Falls wir diesmal auch einen gekriegt hätten – ob der wohl reingegangen wäre?

Unsere neue Prachttribüne am Fußballufer. Ab und zu zieht ein wenig Fußball vorbei wie ein Containerdampfer …

Morgens vorm Spiel hast du mich diesmal am Telefon gefragt, ob die nicht doch schon mittags halb zwei spielen, wie letzt immer am Sonnabend. Und wie ich dann so auf unserer neuen Prachttribüne stand und auf den Rasen runterschaute, da hab ich mich gefragt, ob unser Jungs am Ende wirklich aus lauter Gewohnheit schon um halb zwei losgekickt haben mit Karambo, Karacho und Juchhe. Und hinterher, alles sitzt keuchend in der Kabine, kommt der Schiri pfeifend vorbei und sagt: “So Jungs, Fünfzehndreißig, wolln wir dann mal?”

Endlich! ACTION! Ach so, nee, nee, ist Halbzeit …

Zugegeben: Dass keiner was vom Spiel vor dem Spiel gesehen haben will, spricht ein bisschen dagegen. Und das Ende der zweiten Halbzeit. Denn gegen Ende hatten die Jungs nochmal richtig schöne Torchancen!

Was Dich besonders gefreut hätte: Auch die Neuen durften alle schön mitspielen. Also nicht nur der schneidige Herr Boll, der adrette Herr Bruns und der tapfere Herr Ebbers, der schon früh versucht hatte, Tore zu machen. (Was ja schwer ist gegen Ingolstadt, denn für die spielt ja neuerdings der galante Herr Gunesch, den du auch so gern magst.)

Heldenzeit: Der schneidige Herr Boll und der galante Herr Gunesch nach dem Spiel. Foto: Christoph Nagel

Da war zum Beispiel der flotte Herr Gogia. Dribbeln kann der, und was für ein Antritt! Hat der gleich zweimal in zwei Minuten gemacht, Tante, es war wie damals Apollo 11 gucken. Bloß dass die Raketenflieger nur den Mond treffen mussten, der ist ja ziemlich groß. So ein  Fußballspieler, das kann schon mal schwieriger werden.

Darum landete der Ball nach beiden Raketenstarts beim Gegner. Der auch noch ganz in Weiß antrat – es hätten unsere Auswärtstrikots sein können. Wie Onkel Werner immer sagt: “Es ist ein Minenfeld da draußen.”

Der junge Herr Ginczek hatte sofort nach seiner Einwechslung zwei Riesenchancen, und auch der kräftige Herr Kringe und der kühne Herr Saglik. Aber irgendwie ging das alles so drüber, drunter und daneben, dass ich dir recht geben muss, Tante: Es müsste auch Punkte für “Knapp daneben” geben. Dann wär das Spiel diesmal vielleicht 13 1/2 zu 4 ausgegangen oder so. Und nicht 1:1.

Weil, liebe Tante, das muss ich Dir ja doch noch erzählen: Es gab sogar Tore! Erst ein 0:1 aus heiterem Himmel. Was für ein Schreck! Und dann den Ausgleich hinterher. Freistoß Daube, Kopfball Mohr, alles wieder in der Balance.

Diese zwei Minuten Action-Fußball auf einmal, das war dann nicht mehr wie Schiffe gucken anner Elbe. Das war wie Autorennen. Wenn man direkt an der Rennstrecke sitzt.

Lange nix, dann ZA-WUSCH, und dann wieder nix. Hatten die von der St. Pauli-Stadionzeitung wohl schon geahnt. Vielleicht hatten die deswegen ja “Formel 1910” auf dem Titel.

Also, ein bisschen mehr Aufregung am Stück könnte ich das nächste Mal schon vertragen. Aber keine Sorge, Tante Kriemhild. Die neuen Puschen, die fallen mir trotzdem nicht vom Fuß.

Herzliche Grüße,
Dein Gerhard

P.S. Als kleines Dankeschön für die Puschen schick ich Dir noch ein schönes Päckchen “St. Pauli Roar”! Genau das Richtige für Dein nächstes Kaffeekränzchen. Hier kannst du mehr darüber lesen.

Vorm Spiel: Gedenken an Günter Peine. Das war ein ganz großartiger Mensch, Tante Kriemhild, Du hättest ihn sicher gemocht. KLICK auf das Bild, um das Gedicht von ihm zu hören, das zur Erinnerung an ihn im Stadion gespielt wurde. Foto: Stefan Groenveld

Mehr zum Spiel: Fotos von Stefan Groenveld (mit Zeitrafferfilm der neuen Gegengerade!), AFM-Radio-Podcast zum Spiel, Spielberichte vom Übersteiger-Blog, MagischerFC, MetalustKleinerTodBeebleblox, Lichterkarussell, Moeliw, Nord Support und Quotenrocker; Presseschau bei Blutgrätsche Deluxe; Trikotverlosung für Fanprojekte auf St. Pauli und in Ingolstadt von Ralph Gunesch und Fabian Boll.

 Zum WeiterlesenLichterkarussell, Fabulous Sankt PauliBasch, fcstpauli.com.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

4 Antworten

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.