Punktspende
So., 22.03.2009, 14.00 Uhr: FC St. Pauli – FC Augsburg 1:1

Wenn diese Mannschaft eine Pfanne wäre: Sie wäre nicht beschichtet. Denn ja, sie hat heute etwas anbrennen lassen, nämlich die drei Punkte gegen Augsburg. Schade um das leckere Essen, besonders das der ersten zwanzig Minuten.
Und unnötig: Schließlich weiß ich seit meinem letzten Koch-Wörkshop, dass Teflon unverändert vom Körper ausgeschieden wird, falls der Schutzbelag mal angekratzt werden sollte. Gibt also keinen Grund, vor Beschichtungen Angst zu haben.
Um beim Kochwerkzeug zu bleiben: Wenn der heutige Schiri eine Pfanne wäre – er pfiffe genau so, wie er gepfiffen hat. Nein, war nicht spielentscheidend, aber kleinliches Gepiepe hier und nicht gegebenes Gelb da passen zusammen wie Lachs mit Nutella.
Wenn der heutige Schiri eine Pfanne wäre – er pfiffe genau so, wie er gepfiffen hat.
A propos: Mag ja schwer sein, das Musikwerkzeug unter Kontrolle zu halten, wenn man so neon-lachsrot unterwegs ist wie das heutige Unparteiischen-Team. Rot, die Farbe der Leidenschaft, wie wir seit Jürgen Klinsmann wissen. Aber könnte man die nicht in andere Kanäle lenken, zum Beispiel einen Blockflöten-Kurs?
Naja. Hätte, könnte, sollte. Hätte die Mannschaft so weitergemacht, wie sie am Anfang gespielt hat, wären wir jetzt punktgleich mit Duisburg und schlotterten vor Zufrüherfolgs-Angst. (Ist so ähnlich wie Höhenangst, nur angenehmer.)
Könnte der liebe Herr Rothenbach so nett sein und vergessen, dass Mutti ihm immer eingebimst hat, man solle Respekt haben vor Halbgöttern in Weiß, dann würde er drei Minuten vor Pausentee den Ball nicht am geschlagenen Augsburg-Keeper vorbei übers leere Tor bugsiert haben, sondern hinein. Obwohl der Satansbraten das überzeugendste Brinkmann-Junior-Gedächtniskostüm seit Absetzung der Schwarzwaldklinik anhatte.
Und sollte der liebe Mo Sako eines Tages ein Video seines Granaten-Kopfballs gegen Lautern entdecken – im Osterkörbchen zum Beispiel, ist ja bald – wäre ich ihm dankbar, wenn er es anschauen würde. Nur, um den Killerinstinkt wieder wachzukitzeln.
Denn, lieber Mo: Warum nickst du Bollers zweite tolle Flanke in diesem Spiel kurz vor Schluss derart mau Richtung Netz, als würdest du Fang-den-Ball mit Kleinkindern spielen?
Und, liebes Schnitzel: Warum passt du die Pille noch kürzer vor Ultimo nicht einfach auf den guten Herrn Ebbers, anstatt sie ins Außennetz zu dreschen?
Zugegeben: Ebbers hatte schon ein Tor. Weil er Sergeant Bollers erste tolle Flanke heute einfach reingetan hat. Damals, in der 70., als es noch 0:0 stand. Also kurz nach dem Doppelwechsel, der auch dich, Mo, aufs Spielfeld gebracht hatte. Was eine gute Idee war zu dem Zeitpunkt für alle, die lieber Astra-Flecken auf dem Stadion-Anzug nach Hause tragen als ein 0:0.
Oder ein 1:1. Denn so stand’s fünf Minuten nach Ebbers-Einschlag. Fünf Minuten nach einem Führungstreffer, der überfälliger war als der Crash des Kapitalismus.
Ein Führungstreffer, der überfälliger war als der Crash des Kapitalismus.
Und so geschah’s: Grünes Männchen tankt sich durch bis zu unserer Torlinie. Flanke nach links, Schuss nach vorn: drin. Unsere Abwehr? Widerstandslos wie eine Erdmännchen-Kolonie vor nem Borg-Kollektiv. „Widerstand ist zwecklos“? Glaub ich nicht. Aber vielleicht wäre er nicht nett genug gewesen für Sankt Pauli.
So war die Partie immerhin ein Erfolg im Sinne des Denkmalschutzes: Ein Original-Fachwerktrainer darf nun wohl doch bis Ende der Spielzeit bleiben. Immerhin ein fleißiger Fachwerktrainer, das muss man ihm lassen: Kaum ein Augsburger Spieler, den Holger F. nicht an die Außenlinie zitiert hätte, um ihm ein, zwei Weisheiten für den weiteren Lebensweg mitzugeben.
Was man so macht, wenn’s bald zu Ende geht. Wobei die klassischen „famous last words“ bei Goethe, Oscar Wilde und anderen Epochengestalten meiner Erinnerung nach etwas anders aufgenommen wurden als die des Cheftrainers Holger F. aus A.: Statt Erleuchtung kamen da Spieler-seits eher Schulterzucken und Grimassen, wenn meine Sinne mich nicht täuschen.
Ein Original-Fachwerktrainer darf nun wohl doch bis Ende der Spielzeit bleiben.
Ich darf für die Erben meines überzogenen Dispo-Kredits und des gesammelten Gerd-Gabentisches schon mal anmerken: Sowas will ich nicht sehen, wenn ich mal auf der große Zielgeraden einlaufe! Und wenn ich es doch sehe, werd ich lang genuch leben, um die ganze Chose doch noch an die Heilsarmee zu überschreiben. Soviel Luft ist immer!
Falls ich von selbst nicht genuch Luft haben sollte, wende ich mich eben an die Punkte-Samariter vom Kiez. Die haben reichlich Erfahrung darin, Lahme wieder zum Marathonlaufen zu bringen, und kicken mich schon fit, irgendwie.
Weil wir nun eh beim Thema „Große Schlussworte“ sind – vielleicht noch ne Sache, die die Mannschaft wissen sollte: Man kann auch andere Sachen spenden als Punkte. Zum Beispiel Blut, Geld oder Sperma. Macht alles mehr Spaß.
(Titelfoto: Ante Frohmüller, verlinktes Foto Holger Fach: miles-photo.net, verlinktes Schiedsrichter-Foto: FC Augsburg)
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Veröffentlicht in FC St. Pauli


29. März 2009 um 17:51
…..Zufrüherfolgs-Angst. (Ist so ähnlich wie Höhenangst, nur angenehmer.)……….
Hoffentlich lesen die Jungs das ! Die glauben bestimmt, das wäre schlimmer, und vermeiden daher jedes Risiko !!!
7. April 2009 um 13:41
[...] Wär das nicht eine unheimlich tolle Sache zum Retten? Müssen es wirklich immer Abstiegskandidaten sein? [...]
19. Januar 2010 um 21:47
[...] der Vu. Die, deren Namen die Franzosen rufen, wenn sie das komische Gefühl haben, irgendwas nu aber wirklich schon mal erlebt zu haben irgendwo, [...]