Paulizyten
18.07.2008: FC St. Pauli - kubanische Nationalmannschaft 7:0
02.08.2008: FC St. Pauli - VfB Stuttgart 2:5
Man sacht ja, dass Reisen bildet. Also bin ich mal weg inner Sommerpause. Zwei Freundschaftsspieltage Südtribüne, mit Vollpension. Und was soll ich sagen: Ein großartiges Bauwerk. Wenn die Griechen die Akropolis noch abreißen könnten, würden sie es glatt tun. Aus Neid. Nur ist die ja schon kaputt.
Aber sollte man die Leute nich mal vorwarnen, ehe sie da raufkraxeln? Ungesichert? Ohne Helm und Bergausrüstung? Ich meine, Höhentraining ist ja bekanntlich die Bombe für mehr rote Blutkörperchen. Aber geht das bei uns nicht eher um braune Blutkörperchen? Richtich gelesen: Paulizyten. Bilden sich bevorzugt in Bodennähe oder darunter. Über Normalnull kann das gefährlich werden!
Ich seh schon die Auflagen vom DFB kommen: Vor Spielbeginn Sicherheits-Instrukschion wie im Flugzeug. „Im wahrscheinlichen Falle eines Druckverlustes lösen sich automatisch Sauerstoffmasken vom Tribünendach“, oder so ähnlich. Spätestens inner zweiten Hälfte gegen Stuttgart hätte das dann so weit sein müssen. Von Druck war da keine Rede mehr aufm Platz. Gott sei Dank. Schließlich ist die Größe des Erfolges direkt abhängig von der Anzahl vergeigter Generalproben. Und dann eine verdammt ansehnliche erste Halbzeit gegen einen Erstligisten voller EM-Teilnehmer? Und davor ein 7:0? Gegen waschechte Nationalspieler? Das hätte der Abstieg sein können!
Natürlich ist eine halbe vergurkte Generalprobe viel zu wenig. Aber da war ja noch der Pokal. Absolut sichere Bank diesmal. Denn wenn der Gegner eine Liga tiefer spielt, nicht gerade für Zauberfußball bekannt ist und „Aua“ oder so heißt, kann das für St. Paulianer nur eines bedeuten: Schmerzen.
Ich also Freitagabend in meiner abgedunkelten Wohnung. Fernseher aus, Radio zwischen den Geschirrhandtüchern versteckt, Internetdose mit Kaugummi zugeklebt. Völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Ich wusste ja: Das wird grausam. Irgendwann kommt das vereinbarte Zeichen. Der Nachbar wummst von unten gegen die Zimmerdecke. Einmal. Zweimal. Dreimal. Viermal. Fünfmal. Aha, denk ich. Das Spiel ist aus. Fünf Dinger gekriegt. Tschüß, Pokal. Ich war erleichtert.
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