Pattex in the air

27. Februar 2012 von Gegengeraden-Gerd
"Pattex on the floor": Auch das ... Foto: Stefan Groenveld

"Pattex on the floor": Auch das ... Foto: Stefan Groenveld

 

So., 26.02.2012, 13:30: FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig 0:0

Am Ende wie am Anfang scheint die Sonne. Braunschweig schlendert sich aus. Am Rande des Rasens wickeln sie den Punkt hübsch ein, und Trainer Lieberknecht schickt noch schnell einen jungen Mann namens “Fuchs” aufs Feld, soll wohl Schnittchen verteilen. “Tee dazu, Jungs?” “Gern, Träner, gern!” “Aber nur den Entkoffeinierten!”  ”Für mich lieber Früchte!” “Milch?” “Ja!” “Nein!” “Doch!”

Schön, wenn jemand der Hektik des Alltags etwas entgegenzusetzen weiß. Nur Kleingeister würden das “Zeitspiel” nennen.

Als der Schiedsrichter zeitig ein Ende macht, bin ich mich trotzdem froh, dass es vorbei ist. Von wegen “Zeit ist relativ”: manchmal ist sie absolut. Und vor allem lang. Gefühlt: von kurz nach dem Urknall bis zur ersten Mondlandung.

Ein Spiel wie ein Knorpelschnitzel. Jeder Blick zähes Kauen. Man müsste Fußballstocher reichen, um das wieder aus den Augen zu kriegen. Da konnte die Vorspeise aus der Südkurvenküche noch so lecker sein.

Choreo groß - Spiel überschaubar. Respekt und Dank an USP für eine der großartigsten Choreos aller Zeiten! Foto: Stefan Groenveld

Choreo ganz groß - Spiel überschaubar. Respekt und Dank an USP für eines der großartigsten Intros aller Zeiten! Foto: Stefan Groenveld

Meine Mental-Jukebox zaubert ein anderes Bild aus dem Unterbewussten und spielt ”Pattex in the air”: “Everywhere I look around. / Pattex in the air. / Every sight and every sound.”

Wie immer hat sie recht. Die Gegengerade bleibt müde und still. Auf dem Rasen löffeln Ratlose den Ball in die Luft wie eine Aufklärungsdrohne. Vielleicht findet er ja Anspielstationen, völlig losgelöst von der Erde. ”Major-Tom-Fußball”. Wenn ich das Ende vom Lied richtig im Kopf habe, kam der Major ja auch nirgendwo an.

Die Gäste spielen weder außer- noch unterirdisch. Sie sind nur dicht dran. Tanzen ist schwer, wenn sich an jeder Wade ein Braunschweiger festbeißt: Zeckentaktik. Und genau damit tun sich unsere Zecken schwer.

“Sie haben die Tube, aber drücken nicht drauf”, bewirbt sich mein Tribünennachbar in der Halbzeitpause um den Heribert-Fassbender-Gedächtnispreis. Ja gut, Chancen hat es trotzdem gegeben.Wer weiß, was gewesen wäre, wenn Kruse den Torwart  getunnelt hätte statt sein Bein zu treffen. Mindestens eine schöne Kombination war auch dabei, aber leider war Schindler davon so ergriffen, dass er vergibt.

Wie Mahir Saglik dreißig Sekunden nach seiner Einwechslung mit dem besten Direktschuss vom Sechzehner. Wie nochmal Kruse, der flach rechts am Tor vorbeischießt. Zwischendurch darf Benedikt Pliquett nochmal einem Braunschweiger entgegenfliegen .

Als endlich Schluss ist, schnellen einzelne Pfiffe von irgendwo hinter mir durch die Luft wie nicht abgewickelte Kassenrollen. Irgendwann will man wohl doch mal Laut geben, wenn man schon Eintritt bezahlt hat.

Ich gehe nach Hause und hefte Belege ab. Endlich ein bisschen Aufregung an diesem sonnigen Sonntag.

Zum Weiterhören: AFM-Radio-Reportage zum Spiel von Wolf Schmidt

Zum Weiterlesen: Spielberichte vom Übersteiger und von KleinerTod (mit vielen Bildern!); SPNU über Klimazonen am Millerntor; Gegengerade, Gegenlicht und Gegenfußball bei Beebleblox, ilovesp.de

Zum Weiterschauen: Tolle Fotos und großes Choreo-Panorama zum privaten Download bei Stefan Groenveld, Choreo-Videos vom Spanier und von fcstpauli.tv, Fotos von Nordi

Zum Hinterherlesen: Vorspiel-Interview mit Popfußballfeuilletonist und BTSV-Fan Gerald Fricke

Veröffentlicht in FC St. Pauli

2 Antworten

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.