Mental-Camping

21. Oktober 2008 von Gegengeraden-Gerd

So., 05.10.2008, 14.00: FC St. Pauli - Alemannia Aachen 3:2
So., 19.10.2008, 14.00: FC Augsburg - FC St. Pauli 3:2

Menschen, Tore, Sensationen: Zirkus ohne Pappnasen auf dem Heiligengeistfeld! Foto: Antje Frohmüller

Schon mal schlecht: Heimspiel gegen die „Kartoffelkäfer“ von Alemannia Aachen, und vorm Stadion steht ein schwarz-gelbes Riesenzelt. Sapperlot, denk ich, der Trend geht anscheinend zur mobilen Kabine. Vielleicht ham se ja auch ‘n aufblasbares Stadion dabei. Von wegen „St. Pauli, da weiß man ja nie“ und so. 

Warn dann aber doch Artisten in dem Zelt und nich Fußballer: „Zirkus ohne Pappnasen“, erklärt Lautsprecher-Rainer beim Reklamesegen vorm Spiel. Großartige Idee, denk ich, würd ich gern auch mal bei uns aufm Rasen sehen. Und was soll ich sagen: Es hat geklappt! Ganz große Show, mit Toren in den psychologisch vernichtendsten Momenten.

Vielleicht hatte ja auch nur der Dauerregen die Clownschminke abgewaschen. Gegen Augsburg war sie nämlich wieder drauf. Jedenfalls bei der Sportskanone, die unserm Keeper die Handschuhe eingeglitscht hat. Zahnpasta auf der Kabinenklinke, was? Alter Klassenfahrt-Gäg, was ham wir gelacht. Jedenfalls die von uns, die sich nicht wegen Rückfall in jahrhundertealte Traumata in zitternde Wracks verwandelt hatten: 2:3 vergeigt! In der 92.! Nach zweimaliger Führung! Der Horror! Der Horror!!

So richtig genossen habe ich das 2:2 davor aber auch schon nicht: Ein dahergelaufener gegnerischer Verteidiger macht drei Braun-Weiße plus Torwart nass! Tätääää! Wie’s aussieht, gibt’s Zirkus ohne Pappnasen diese Säsong nur aufm Heiligengeistfeld. Das fiese dabei: Wenn unser Hoilett sowas in Gegners Strafraum macht, nur in schön, landet die Pille am Pfosten und nicht im Netz. Ob das Schicksalsdoping durch den Gegner oder Psychofolter ist, kann jeder selbst entscheiden. Und ob ich mich jetzt wirklich freuen soll, dass meine gute alte Spiegel-Theorie wieder gilt, weiß ich auch nicht.

Hinterher schnacken alle wieder von der Mental-Couch für die Mannschaft. Als ob die noch Möbel braucht. Und wie man so‘n Teil auf Reisen mitnehmen soll, hat auch keiner überlegt. Viel wichtiger wär das Mental-Zelt für die Fans! Als mobiles Psycho-Lazarett für Einsätze in Krisengebieten. Also alle Auswärtsfahrten des FC St. Pauli. Ich geh gleich mal beim Zirkus fragen. Vielleicht machen wir‘n Dschoint Ventscher.

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Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 53, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Gegen Bestechung in Form diverser Sachzuwendungen hat er sich bereit erklärt, die Redaktion der Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger zu unterstützen.

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