Krusengipfel

12. August 2011 von Gegengeraden-Gerd

Fr., 5. August 2011, 18 Uhr: FC St. Pauli – Alemannia Aachen 3:1 (2:1)
Fr., 12. August 2011, 20:30 Uhr: VfL Bochum – FC St. Pauli 1:2 (1:1)

Kann mir farbenprächtig vorstellen, wie das gewesen sein muss neulich: Mannschaftsbesprechung, Grundsatzphase. Trainer spricht, Mannschaft lauscht. Füße zucken, Ohren qualmen, Köpfe rauchen. Am Ende der Blick in die Runde: „Na Jungs, noch Fragen?“

Denkblasen über Kiezkickerköpfen: „Au ha, jetzt bloß nix durcheinanderbringen. War gut angefressen der Coach nach diesem Pokaldingens neulich, huijuijui …“ – „Klasse Spruch, den merk ich mir! Wie war das noch: Flach gewinnen, hoch spielen …? Hmmm …“ – „Moment, ich hab’s gleich: Flach … hoch … Flach … hoch …“ – „Ist doch klar: Flachhoch! Flachhoch! Und dann kommen die Gewinnspiele!“

Flachhoch! Flachhoch! Und dann kommen die Gewinnspiele!

Oder so ähnlich. War ja nicht unbedingt Barcelona-Style gegen Aachen. Flachhoch eben, mit Rumpelanteilen. Aber Gewinnspiel? Auf jeden Fall! Nach sieben Minuten zurückliegen. Gott, die Welt, das Schicksal verfluchen. Ausgleichsbemühungen. Schachten jagt das Ding hin, wo Gott wohnt. Schnappatmung.

Und dann: Wieder so’n langer Ball, herrje … Aber was macht denn der Aachener da? Soll das ne Brustannahme …? Und der Kruse ….? KRUSE!!! Schnappt sich der Satansbraten den verunglückten Stoppversuch der Kartoffelkäfer und jagt das Ding dermaßen trocken halbhoch rechts rein, dass man sofort Waldbrandgefahr ausrufen müsste. Wenn da Bäume wüchsen im Strafraum, ihr versteht.

Kruse jagt das Ding dermaßen trocken halbhoch rechts rein, dass man sofort Waldbrandgefahr ausrufen müsste. Wenn da Bäume wüchsen im Strafraum.

Genau die Bäume, die der Aachener hätte fällen wollen, der stattdessen Bruns im Strafraum zur Strecke bringt. Der schießt den Elfer gleich selbst, und zwar, was soll ich sagen, trocken wie dieser Sommer genau nicht. Darum vielleicht die Durststrecke nach dem Tor. Aber wenn dann, DANN, endlich, in der Nachspielzeit, nicht das vermaledeite 2:2 fällt, wie es vor wenigen Wochen noch auf sicher gefallen wäre, sondern eben das köstliche, das herrliche, das prächtige (und staubtrocken servierte) 3:1 – dann nenn ich das dermaßen lässig zum Sieg krusen, wie ich das ewig nicht erlebt hab. Danke, Max!

Bochum, ich häng an dir …?!?

In Bochum gießt das prompt, als ob die Trockenzeit vorm Aachener Tor wiedergutgemacht werden sollte. Passt. Dann sieht man die Tränen nicht so: Schon wieder 0:1 nach ein paar Minuten! Aber dann: schickt Rothenbach flach den Kruser, der lupft das Ding lässig auf Bartels, und der …? Macht das dermaßen richtig, dass ich vor lauter Freude fast schon wieder entsetzt bin.

Wie dann auch fast die ganze zweite Halbzeit. Obwohl wir kombinieren. WEIL wir kombinieren. Bartels, Kruse. Kruse, Bartels, Saglik. Das sieht gut aus, das sieht nach mehr aus, das sieht nach … Schicksalsherausforderung aus.

NETZ! Wir haben NETZ! 2:1! Ich freu mich wie ein Handy-Junkie in der niedersächsischen Pampa.

Ich sterbe 1000 Tode, doch dann, in der 84.: Bruns auf Kruse, Kruse schießt, NETZ! Wir haben NETZ! 2:1! Ich freu mich wie ein Handy-Junkie in der niedersächsischen Pampa. (Wer schon mal irgendwo zwischen Kutenholz und Brest-Aspe dringend telefonieren musste, weiß, was ich meine.)

Als ich aus dem Freudenkoma aufwache, steht St. Pauli auf Platz 1. Wär es Weltpolitik und nicht Fußball: Sie würden es Krusengipfel nennen.

Titel-Foto:

www.stefangroenveld.de

Zum Weiterlesen und -schauen:

Stefan Groenveld: “Fußball am Millerntor” (Bildergalerie + Kurzbericht Aachen)

KleinerTod: “Mit dem ersten echten Heimsieg in die neue Saison” (Bericht + jede Menge Bilder zum Aachen-Spiel)

Spielverlagerung.de: Taktik-Analyse des Bochum-Spiels

Übersteiger-Spielberichte: Aachen / Bochum

Berichte auf fcstpauli.com: AachenBochum

Bildergalerie auf fcstpauli.com: Aachen / Bochum

 

Veröffentlicht in FC St. Pauli

Eine Antwort

  1. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Energiewende

    [...] mir was auffällt: Aachen, 3:1, schön spät „den Sack zu“? Duisburg, 2:1, der ultimative Last-Minute-Sieg? Und jetzt das [...]

Deinen Senf dazugeben? Man zu!

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.