Kraftfelder

3. September 2012 von Gegengeraden-Gerd

Der wahre Kraftfeldgenerator: Der Capitano und seine Capitanini bei der Ehrenrunde. Foto: Stefan Groenveld

 

Sa., 01.09.2012: FC St. Pauli – SV 1916 Sandhausen 2:1 (0:0)

Irgendwann um die 60. Minute rum war die Sache für mich klar. „Kannst du vergessen heute. Gibt so Tage. Als wenn da n Kraftfeld vorm Tor wäre. Da kommt nix durch!“

Nicht dass ihr das falsch versteht: War gar nicht so übel diesmal. Unsere Jungs hatten wieder Puls. Und Sandhausen betonierte gar nicht mal so komplett. Ging also ganz munter zu, Torschüsse hier, Gelegenheiten da.

Ich hatte mir das Spiel in Sachen Bewegung und Action so ähnlich vorgestellt wie Flippern im Wachsfigurenkabinett. Mit dem Ball als Kugel. So gesehen fast Hektik auf dem Spielfeld.

Nur die Sache mit dem Toreschießen … Wer hatte da nicht alles Chancen: Bruns! Thorandt! Mohr! Ebbers + Daube! Kalla! Mohr + Saglik! (Sandhausen auch, aber weniger.)

Ging also so oft daneben, dass man das Kraftfeld ums Sandhäuser Tor fast sehen konnte. Und das kennt ihr ja aus der gepflegten Zukunftsfiktion: Wer sich da nicht schnellstens die Adresse vom Kraftfeldgenerator zum zeitnahen Zerlegen ins Navigationssystem meißelt, der hat nichts zu bestellen.

Dachte ich. Und was passiert in der 71. Minute? Bartels, Fin Bartels, der Mann, der früher sein eigenes tragbares Anti-Tor-Kraftfeld vor der Nase hatte – dieser Bartels zieht an der Strafraumgrenze einfach mal ab, mittenmangs durchs Gewühl, und PENG: 1:0!

Manchmal glaub ich, ich hab vielleicht doch keine Ahnung vorm Fußball. Gefreut hab ich mich natürlich trotzdem. Auch über Ebbers’s eiskaltes 2:0, allein vorm Torwart!

Und das 2:1? Gern gegönnt. Waren nette Besucher diesmal im Gästeblock. Und dann hatten sie natürlich unseren Fabio dabei. Einen Mann, der neun Jahre lang für uns Geschichte geschrieben hat. Von der Regionalligahölle übers “Bokal”-Baradies bis in den Bundesligahimmel. Eigentlich also ein Familienmitglied.

Kraftfeld hin oder her: Das war nicht Darth Morena da unten. Das war unser Capitano. So gut er auch für die anderen gespielt hat.

Dann ist das Spiel vorbei. „Fabio Morena“-Gesänge und „YNWA“ erfüllen die Luft. Der Capitano ergreift das Mikrofon. Taschentücher werden knapp. Ehrenrunde mit Kindern.

Und plötzlich wird mir klar: Da war vielleicht kein Kraftfeld vorm Sandhäuser Tor. Aber nach Abpfiff – da lag ein Kraftfeld überm ganzen Stadion. Danke für alles, Fabio!


Mehr zum Spiel: Audioreportage vom AFM-RadioFotos von Stefan Groenveld (mit Zeitraffervideo der großartigen “10 Jahre USP”-Choreo), Choreobilder beim Kiezkieker, Spielberichte beim Übersteiger, KleinerTod, Metalust100 Jahre Fahrstuhlfahrt, MagischerFCLichterkarussellBeebleblox, Fabulous Sankt Pauli, Text und BlogPathos93 und Piraten-Brigade Berlin; Spielbericht aus Gäste-Perspektive bei Carpe Diem Sandhausen.

Auch wichtig: 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V. (Facebook-Link) ; Blaulight Express (oder was uns statt des Museums in der Gegengerade droht).

 

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4 Antworten

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.