Im Keller liegt die Klarheit

26. August 2008 von Gegengeraden-Gerd

Fr., 15.08.2008, 18:00: FC St. Pauli - VfL Osnabrück 2:2 (2:1)
Fr., 22.08.2008, 18:00: SpVgg Greuther Fürth - FC St. Pauli 5:2 (1:1)

Macht nix, Jungs: Im Keller liegt die Klarheit! Foto: Norbert Harz

Warum nur über schlechten Fußball aufregen? Heute mecker ich mal über die Moderne. Viel zu kompliziert alles. Drei Millionen Fernsehsender, fünfzig Senfsorten im Supermarkt und Milliarden Arten der Selbstverwirklichung.

Jeder Weg, den man geht, hat drei Abzweigungen, und zwischen oben, unten, rechts, links, hinten durch die Brust ins Auge und Flucht nach vorn weiß man doch überhaupt nich mehr, wo einem der Kopf steht bei den ganzen Möglichkeiten.

Darum versteh ich unsere Jungs: Im Keller liegt die Klarheit. Wer unten ist, hat festen Boden unter den Füßen. Er weiß: Schlechter geht’s nicht, jedenfalls nicht viel, und die einzig sinnvolle Richtung ist: rauf! Klar kriegt man da Heimweh nach der Abstiegszone. Also nehmen wir mal die Luxuskicks zum Saisonauftakt als zielgerichtete Schritte zur gewünschten Startposition. 

So betrachtet war alles doch halb so schlimm: Die Zahnlosigkeit gegen die völlig abgemeldete Osnabrücker Innenverteidigung der zweiten Hälfte. Die Ziellosigkeit der in den Strafraum regnenden Bälle: immer dahin, wo keiner stand. Und die Harmlosigkeit der ersten Hälfte gegen einen Gegner, der die Bälle herschenkte wie Werbekugelschreiber im Wahlkampf. Unter den Umständen wäre ein 3:0 doch glatt unsportlich gewesen!

Nee, nee: alles bestens, alles im Lot. Ich fürchte mich nicht. Nicht mal vor der grausigen Abwehrleistung gegen Fürth: Zwei Pillepallelangbälle, die einander ähnelten wie ein F.D.P.-Abgeordneter dem anderen, waren genug, um zwei Tore gegen den magischen FC vorzubereiten.  Den Rest besorgten die reichlich gewährten Sicherheitsabstände um die gegnerischen Spieler: Ob die unter Starkstrom standen und darum jeder zwei Meter Platz drumrum kriegten? Andererseits: eher nicht. Sonst wäre unser Fabio nach fertiger Ringkampf-Einlage bestimmt KO gewesen.  

Aber egal. Wir blicken feste nach vorn. Denn hinten stehen nur noch die Wand und München. Parole: Von hinten das Feld aufrollen! Das hat doch was.

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Veröffentlicht in FC St. Pauli

Dein' Senf dazugeben? Man zu!

Achtung, Achtung: Nich übelnehmen, liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren, aber ich guck immer kurz nochmal rauf, was ihr so schreibt. Nich dass das am Ende schlimmer is' als mein Zeugs. Also, wenn eure Sachen nich sofort erscheinen, nicht gleich die Blauhelme rufen oder zehnmal posten. Geht trotzdem schnell. Danke!

Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 53, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Gegen Bestechung in Form diverser Sachzuwendungen hat er sich bereit erklärt, die Redaktion der Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger zu unterstützen.

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