Ich kaufe ein “K”!

1. Dezember 2011 von Gegengeraden-Gerd

Oder: Schöner Hören mit dem Deutschen Fußballbund.

Der Deutsche Fußballbund ist gut und gerecht, liebe Leserinnen und Leser. Dies schon mal vorab. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen!

Auch die Begründung der Strafmaßforderung gegen meinen Lieblingsverein FC St. Pauli unterstütze ich, wie alles, was von DFB, DFL und Konsorten kommt, bedingungslos.Und ganz besonders angesichts der fast schon unheimlichen Friedfertigkeit unserer Fans angesichts dauernder Provokationen unfassbaren Vorfälle, die sich anlässlich des jüngst errungenen Auswärtssieges gegen Rostock im Gästeblock ereignet haben müssen, denn sonst gäbe es ja keine Strafforderung von 20.000 Euro seitens des DFB-Kontrollausschusses gegen den FC St. Pauli.

Ich bin schon aus Eigeninteresse ein glühender Anhänger der Integration älterer und ältester Arbeitnehmer in den Alltag und würde darum nie etwas gegen den Herren sagen, der da irgendwo besoffen vorm Fernseher mit Argus-Ohren im Stadion gesessen haben muss, um das Verhalten des berüchtigten FCSP-Anhangs kompromisslos zu protokollieren.

Und dabei festhielt, wörtliches Zitat aus dem DFB-Dokument:

(…) dass die Gästefans bei der Bekanntgabe der Rostocker Mannschaftsaufstellung diskriminierende Äußerungen skandierten.

Nun gut … Da kann man nicht nur, da muss man eigentlich anderer Meinung sein, bei aller Bewunderung für den hochgeschätzten DFB. Auch ein kurzer Gegencheck mit meiner groundhoppenden Tante Kriemhild ergab zweifelsfrei, dass da nichts anderes gerufen worden war als: „NAKI“.

Für wen das nun „diskriminierend“ gewesen sein soll, weiß ich nicht, und vielleicht hätte sich unsere liebe „Nummer 23“ auch mal überlegen können, ob er nicht mal den DFB anzeigen würde, wenn der seinen Nachnamen so mir nichts, dir nichts zur Beleidigung erklärt. (Das kann beim Trikotbeflocken in Zukunft ja heiter werden …)

Wenn, ja wenn nicht, wie bereits erwähnt, beim DFB ausschließlich hervorragende Fachleute mit unbestreitbarer Kompetenz arbeiten würden – ganz besonders, wenn es um die Beurteilung von Fanbelangen geht.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Mitglied dieses ehrenwerten und schon immer in jeder Hinsicht Respekt einflößenden Zirkels nicht in der Lage sein sollte, den Spielernamen „NAKI“ von dem in der Tat unerfreulichen und nicht einmal in Rostock auf alle Stadionbesucher zutreffenden Wort „NAZI“ zu unterscheiden.

Also habe ich nach Erklärungen gesucht. Und eine gefunden.

Ihr kennt doch bestimmt die Rot-Grün-Blindheit? Eine gesundheitliche Einschränkung, weit verbreitet, kann keiner was für und kann im Alltag meist gut überspielt werden, sogar an Ampeln.

Was also, wenn es so etwas auch akustisch gibt? Eine Art selektiver „Z-K-Taubheit“? Also, wenn ich das wäre, ich würde jeden verklagen, der meine Karriere als DFB-Spielbeobachter wegen so einer gesundheitlichen Einschränkung gefährden würde.

Da würde ich mich gnadenlos durchsetzen, nach Rostockz fahren, den KZiezkkziczkern beim 3:1 zusehen, nach Hause fahren und vielleicht noch ne schöne alte Weltmeisterplatte von 1974 oder so auflegen.

Was dann ungefähr so klänge:

Mein Gott, der 11er von Johann Neeszens, was ham wir geschimpft …

Gut, dass Hölkenbein uns auch einen verschafft hat. Und des „Bombers“ Zillerinstinzt das 2:1!

Dann Sepp Maiers Gala-Auftritt in Hälfte 2! Die „Zatke von Anking“! Welch kauberhafter Zeeper!

Doch das Kepter im zickenden Zampf um die Fußball-Zrone gebührt natürlich nur einem:
Gott erhalte Frank den Zaiser – unsern guten Zaiser Frank!

So und nicht anders stelle ich mir die gemütlichen Abende unseres fleißigen DFB-Spielbeobachters vor. Die hat er sich verdient.

Ich finde es gut, dass dieser Mann trotz seiner Z-K-Schwäche eine faire Chance erhält. Für einen so guten Zweck spendet man doch gern einmal 20.000 Euro …

Foto: Antje Frohmüller

 

P.S. Abteilung “Neumodisches Zeuch”: Wer meine euphorischen Sympathiekampagnen für DFB, Fehlpässe, Heimniederlagen und andere Wohltaten auch gezwitschert haben möchte, kann das jetzt hier tun: http://twitter.com/GG_Gerd

P.P.S. Falls irgendwer der Ansicht sein sollte, das mit der selektiven Z-K-Taubheit stimme doch nicht, kann er gern hier vorbeilesen: ÜbersteigerSPNU: Der DFB und seine Ohren-Sessel; LichterkarussellNeunzehnhundertzehn-Blog; MFC-St. Pauli; sanktpauli.tumblr.com; KleinerTod

P.P.P.S: Am 7. Dezember behauptet der DFB nun auf einmal, er habe sich verhört. Ja gibt es denn nichts mehr, auf das man sich noch verlassen kann? Dazu: neunzehnhundertzehn-blog; SPNU; Fabulous Sankt Pauli

 

Veröffentlicht in FC St. Pauli, Fußball allgemein

12 Antworten

  1. Rostock – das Nachspiel | neunzehnhundertzehn

    [...] auch: GG-Gerd:“Ich kaufe ein K“ StPauli.nu: „Der DFB und seine Ohren-Sessel [...]

  2. 11 Nakis sollt Ihr sein! | Übersteiger-Blog

    [...] es nicht so traurig wäre, könnte man fast lachen, ähnliche Gedanken kann man auch beim Gegengeraden-Gerd, dem Lichterkarussel, MFC-StPauli und neunzehnhundertzehn nachlesen, sicher in den nächsten Tagen [...]

  3. Zaphod

    Man muss sich an die oberen Instanken wenden! Wenn es jemanden gibt, der das geraderücken kann, dann Dr. Theo Kwankiger!

  4. Gegengeraden-Gerd

    @Zaphod: Fürwahr! Mit der Nakionalmannschaft als Geleitschutz!

  5. Lichterkarussell

    Sehr geehrter Gerd,
    du verfolgst hier einen interessanten Gedanken. Sollte das wahr sein, dann hätte das fatale Auswirkungen – auch auf historische Ereignisse. Wie hätte der DFB denn bitte unter diesen umständen die Abkürzung des Zentralkomitees in der DDR gehört?! Da kann es ja nur einen Konz äh Zonk für geben!

    Dennoch glaube ich, wenngleich deine Problemfeldanalyse in eine richtige Richtung deuten mag, dass du einem kleinen aber weit verbreiteten Irrtum aufgesessen bist.

    Menschen mit Rot-Grün-Schwäche verwechseln nicht etwa Rot und Grün, sie können nur einige Farben beider Farbspektren nicht voneinander unterscheiden. Sie sehen dort einen Braunton. Wissenschaftler haben überdies herausgefunden, dass diese Menschen jedoch im Stande sind, eine größere Diversität von Brauntönen wahrnehmen zu können, als so genannte “Normalsehende”.

    Der analogische Fehlschluss liegt also in der angenommenen Vertauschung. Es scheint mitnichten so zu sein, dass jedes Z und K im Gehörgang eines DFB-Funktionärs vertauscht würden. Sollte deine Annahme, der Buchstabe K würde als Z verstanden, richtig sein. Können wir sagen:
    K = Z
    * = Z
    wobei * einen uns bisher nicht bekannten Buchstaben meint, * aber in jedem Fall ≠ Z ist, da Z (in Analogie zur Rot-Grün-Schwäche) ≙ Farbton Braun.

    Wir wissen bisher noch nicht, sollte es eine *-K-Taubheit geben, wie sprachliche Laute von DFB-Funktionären wahrgenommen werden, wir wissen jetzt nur, dass es anders ist als die verbreitete Laut-Wahrnehmung, aber auch anders als die von dir gemutmaßte.

    Ich bin mir sicher, du wirst am Thema dran bleiben, aufzuklären welcher Buchstabe sich hinter dem * versteckt. Sollten mir sachdienliche Hinweise zukommen, werde ich die Denunzianten-Hotline von Hansa Rostock äh deine Kontaktadresse umgehend nutzen.

  6. Gegengeraden-Gerd

    @Lichterkarusell: Holla, da muss ich jetz aber mal tüchtich drüber nachdenken.

    Vielleicht brauch ich einfach nen anderen Vergleich? Es soll ja Leute geben, die Rechts und Links verwechseln. Warum hab ich nur den Eindruck, das könnte beim DFB so sein?

    Um Klarheit zu kriegen, welche Buchstaben genau vertauscht werden, wär natürlich ein umfangreicher Feldversuch das beste. Ein Stadion voller DFB-Spielbeobachter. Ein Fan. Und dann die DFB-Leute richtich schön anschreien. Und immer schön mitschreiben lassen!

    “Brülle Post” statt “Stille Post” sozusagen. Was da wohl bei rauskäme? Ich glaub, Wissenschaft ist doch was für mich!

  7. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Heimkehr aus Haderborn oder: An einem Tag wie jeder andere

    [...]die schwer erziehbaren Kleinkriminellen vom Kiez sind erneut auffällig geworden [...]

  8. "naki-fans sind keine Verbrecher"* - FCstpaulihafenklang

    [...] klar, dass ich nicht exklusiv über diese vorkomnisse schreibe. hier die hochkarätigen beiträge von gegengeraden-gerd und vom übersteiger, in denen weitere links zu weiteren blogs mit weiteren berichten zu genau diesem thema eingefügt sind [...]

  9. DFB und Naki – paßt nicht. Naki aber zum #FCSP. Und Boll natürlich. Nicht nur in Paderborn. « KleinerTods FC St. Pauli Blog

    [...] Mehr zu diesem Thema findet man auch unter http://lichterkarussell.net/als-nakis-diskriminiert/, http://www.gegengeraden-gerd.de/fc-st-pauli/ich-kaufe-ein-k/ und http://blog.uebersteiger.de/2011/12/01/11-nakis-sollt-ihr-sein/. [...]

  10. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Der Geist, der stets vergeigt

    [...] das den für St. Pauli zuständigen DFB-Beobachter ja auf ne Idee. Der versteht nämlich immer „Nazi“ statt „Naki“. Vielleicht habt Ihr davon ja schon gehört [...]

  11. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Gebrannte Mandeln

    [...] unserer Vereinsführung beim DFB nach der gütigen Gnade von Rostock (zum „NAKI-Skandal“ bitte hier entlang) wider Erwarten erneut Erfolg haben (was ich hoffe) –  dann verdanken wir die drei Punkte zu [...]

  12. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Endlich bewiesen: Der DFB ist gut und gerecht!

    [...] kennt mein Mantra, ich bete es jeden Abend, jeden Morgen und bei jeder warmen Mahlzeit vor mich hin. [...]

Deinen Senf dazugeben? Man zu!

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.