Horizontaler Aufstieg
Fr, 02.05.2008, 18:00: FC St. Pauli - FC Erzgebirge Aue 4:2 (2:2)
So, ihr Spaßvögel.
Ich zeich euch jetz mal den ultimativen Banausen-Test. Geht karo einfach und ganz ohne Pinkelstreifen, Farbkleckse oder was ihr jetzt wieder rankarren wollt. Und zwar so: Versuchsobjekt nähert sich. Ich sach „Aue“. Er sacht „komisches Spiel“. Ich sach: „Aha – BANAUSE!“ Und wenn er dann doof guckt, hol ich mein‘ Taschenfußballduden raus und zeich ihm die Stelle mit der Erklärung: „unkultivierter Mensch“. Alles andere wäre beschönigt.
Denn mal ehrlich, Leute. Was heißt hier „komisches Spiel“? Das war KON-ZEPT-FUSSBALL! Und jetzt nich so ne Finke-Rangnick-Kopfsülze, sondern die ganz große Fußball-Rockoper, live und in Farbe, weltexklusiv im Millerntor-Theater: Sergeant Bollers Hairy Legs Club Band! Quadropaulia! The Schnitzel lies down on Heiligengeistfeld! The Brown Side of the Moon!
Wie ich da drauf komme? Ganz einfach: Was unsere Scheff-Dramaturgen Holger von Stanislawski und André de Trulsen hier auf die Bühne gezaubert haben, war nix anderes als die ganze Säsong in einem Spiel! War doch alles drin: Flotter Auftakt (säsonal betrachtet sach ich mal: so circa Köln bis München). Hängerphase (von Gladbach bis Lautern. Au mein Gott, das erste Lautern-Spiel …) – im Spiel so ab Minute 25. Erholung (Aachen, Mainz) – hinreißend umgesetzt in das 2:2 vor der Halbzeitpause und das 3:2. Dann nochmal zögern (Köln zwo bis Offenbach zwo) – beinahe das 3:3. Und wieder aufwachen, Gas geben und den Sack zumachen (München zwo bis Hoffenheim zwo. Wobei wir von Paderborn jetz mal nix sagen wolln) – 4:2.
Ihr wollt Liebe zum Detail? Dann guckt euch die Tore an: Die ganze Vielfalt des St. Paulianischen Fußballdramas in weniger als 90 Minuten. Genie (Takyi! Falls das Absicht war). Wahnsinn (Takyi! Falls das keine Absicht war. Und das zweite Tor von Aue). Pech (das 0:1! Aus heiterem Himmel!). Glück (Schultz! 1:1 mit Bande! Pfosten nach Aue-Freistoß! Benes unfreiwilliger Hackentrick in Halbzeit zwo!). Und schlicht und einfach gute Arbeit (Ludwig auf Boll. Boll auf Schnitzler. Tor! Und später dann Bruns und Rothenbach. Tor!). Selbst das Wetter hat mitgespielt und präsentierte sämtliche Jahreszeiten auf kompakter Spielfilmlänge. Nur Eis und Schnee haben gefehlt. Na wolln mal nich so sein.
Und das Ende? Kollektivtaumel, Schtänding Oväischens, Vorhang. Und Ringelpiez bis zum Morgengrauen. Fast so wie im letzten Jahr. Warum auch nich? Denn wenn ihr mich fragt: Wer als Aufsteiger so in der Liga bleibt, der hat nicht nur den Klassenerhalt geschafft. Sondern den horizontalen Aufstieg.
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