Heimweh

2. März 2014 von Gegengeraden-Gerd

Sonnabend, 15. Februar: FC St. Pauli – VfL Bochum 0:1 (0:1)
Sonntag, 23. Februar: SG Dynamo Dresden – FC St. Pauli 1:2 (1:1)

Foto: Stefan Groenveld, www.stefangroenveld.de

Normal würd ich ja ganz klar sagen, das liegt am Wetter. Blauer Himmel, FC St. Pauli, Spitzenleistung: traditionell ganz schwieriges Thema. Weiß jeder. Bin ja schon länger für ne Sprinkleranlage im Dach, für Nieselregen nach Wunsch.

Der Himmel war gegen Bochum blau. Und wie blau der war! Prompt ein völliges Gewürge. 2 Minuten Fußball, 88 Minuten Baustoff-Kneipp: Waten im Bochumer Beton. Mit rhythmischer Fehlpassgymnastik zur Auflockerung.

Irgendwann hoppelt so’n halbgetroffenes Ding in Tschaunis Kasten, und dabei bleibt das. Freistoß Halste, Lattenkracher Ratsche: Wenn die Match-Highlights auf ein Reiskorn passen, macht das Spiel selten satt.

Nur – korrigiert mich, wenn ich jetzt Quatsch rede, aber gegen Dresden war doch auch schönes Wetter, oder? Und was passiert?

Vorlage Trybull, Kopfball Kringe, 0:1. Bravo! Freistoß Dresden, Tiefschlaf alle, Rechtsschuss Hartmann: 1:1. Ooooh. So weit noch im Erwartungsrahmen, schließlich ham wir da ja noch nie gewonnen. Und dann so’n psychologischer Wirkungstreffer kurz vorm Pausentee: Das kann ja nicht gut gehen.

Und stattdessen? Nagelt Tausendsassa Halstenberg den Dresdnern fast noch in der Pause ein dermaßenes Ding ins Netz, dass mir Hören und Sehen vergeht. Bravo! Wobei das mit dem Hören und Sehen schade ist, denn der Rest vom Fest war zwar nicht das Spiel des Jahres, aber mehr als in Ordnung.

Zweimal Schönwetterfußball. Einmal Graupenkick, einmal Auswärtssieg. Platz zwei in der Auswärtstabelle, Platz dreizehn zu Hause: Jungs, Ihr gebt „Heimweh“ eine ganz neue Bedeutung.

Was macht man da? Die ganze Korona so lange durch die Gegend fahren lassen, bis die Jungs nicht mehr wissen, ob sie hier, da oder woanders sind?

Gästeblock imitieren, für aufputschende Anti-Atmosphäre? Trikottausch vorm Anpfiff? Scheuklappen? Oder Ganzstadionverkleidung à la Christo, von wegen „Ist ja Rosenmontag, unser Stadion geht heute als ‚Alte Försterei’“?

Ich weiß, Ihr kennt das nicht von mir, aber ich finde das passende Rezept nicht. Wobei, vielleicht doch: Bienenstich-Kur nach Tante Kriemhild! Hilft gegen alles und schmeckt zu Hause immer noch am besten. Also gleich mal in Bad Bevensen anrufen. Hab mich eh viel zu lange nicht gemeldet.

Stark zuckerhaltige Grüße,
Euer Gerd

Erscheint auch in: VIVA ST. PAULI Nr. 192 (3. März 2014)


Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.