Happy End

14. Dezember 2007 von Gegengeraden-Gerd

So, 07.10.2007, 14:00: FC St. Pauli - SC Paderborn 07 2:1 (2:0)
Fr,  07.12.2007, 18:00: Alemannia Aachen - FC St. Pauli 2:2 (0:1)

So. Weil bald Weihnachten ist, gibt’s diesmal die ganz großen Weisheiten. Sogar umsonst. Denn wahrlich, ich sage Euch: Die größten Momente im Fußball – die, die sich tief in die Seele des Fußballfans eingraben wie Treckerspuren auf Matsch-Acker – das sind nicht die großen. Das sind die genauen Gegenteile: die Flops.

Fragt mich, ich bin Experte: Ein paar Spieltage zurück. Der Gegner heißt Paderborn. Eigentlich eine Gästemannschaft, wie Fußballgott selbst sie schuf. Schicksalsergeben wie Lemminge nach dem Sprung von der Klippe und zaghaft wie Zeugen Jehovas vorm Bordellbesuch. Ehrlich mal: Ich hab schon Heringsdosen gesehen, in denen mehr Leben war. Wir hätten 50 zu 0 gewinnen müssen – was sach ich: 60!

Statt dessen ein Moment. Der Moment. Der Moment, den ich bis vor kurzem bei jedem Augenschließen genießen durfte, detailliert, in Zeitlupe und Multicolor: eine perfekte Flanke. Ein heranstürmender St. Paulianer. Ein leeres Tor. UND-DANN-KÖPFT-DER-KURU-AUS-DREI-METERN-DANEBEN!!! Kann mir mal einer erzählen, welcher Pastor mir noch mit Höllenqualen drohen soll (wegen Sünden und so)? Dafür gibt’s doch The Hell of St. Pauli!

Ich jedenfalls: aufgerissene Augen. Hände in den Zaun gekrallt. Schockstarre. Kein Scherz jetzt: Die mussten mich losschweißen nach‘m Spiel! Und weil man die Hände dann immer noch nicht losgekriegt hat von dem Zaunstück, bin ich halt so ins Bett gelegt worden. Und eingeschlafen. Und wieder aufgewacht. Wochenlang. Gefesselt an ein Zaunstück und ein Trauma. Kein Picknick, das – und die Rechnung für das Losschweißen und die Zaunreparatur war verdammt gesalzen!

Außerdem: Vor jedem Heimspiel Sondergenehmigung einholen. Und das, um Spiele wie den Lautern-Kick zu sehen. Ich sach nur: Paderborn, Teil 2! Friedhof der Kuschelkicker! Wo totgesagte Gegner wieder ins Leben geholt werden vom Fluch des Millerntors! Wenn ich nicht noch am Zaun geklemmt hätte, ich wäre glatt drübergeklettert!

Tja, und dann Aachen. Stundenlange Anfahrt. Liegend im Kombi natürlich, wer hätte mich auch vom Zaun lösen sollen? Zum Glück haben die Sicherheitsfuzzis mich überhaupt reingelassen, gehandicapt wie ich war. Sonst hätte ich sie vielleicht nicht gesehen – die 69. Minute. Als ein gewisser Kuru auf den Ball zuhält. Als mein Herz stillsteht. Und als die Pille endlich im Netz zappelt. Ich war erlöst! KURU, DU SATANSBRATEN! DU MACHST DAS, HAB ICH IMMER GESAGT! Tonnenweise Steine plumpsen mir vom Herzen – und endlich purzelt auch das verdammte Stück Zaun zu Boden. Der Krampf ist vorbei. Endlich wieder Stadionbier ohne Strohhalm. Freue mich schon auf zwei Buden von Ahmet heute.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

Eine Antwort

  1. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Unheimlich heilig

    [...] Da ist er wieder, der seltsamste Heilige des Fußballs: Gestatten, Pauli, Vorname Sankt. Spezialgebiet: Wiederbelebungsmaßnahmen. Eint noch den zerstrittensten Gegner und macht Lahme vor Freude über seine Wunderkraft nicht nur gehend, sondern verleiht ihnen sogar Flügel. [...]

Deinen Senf dazugeben? Man zu!

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.