Haltestelle

17. Februar 2013 von Gegengeraden-Gerd

Erschienen in VIVA ST. PAULI Nr. 173. Zum Runterladen und Mitsingen einfach aufs Bild klicken.

 

Wenn man mal drüber nachdenkt, sind Fußball und Singen ziemlich ähnlich: So’n büschen kann das irgendwie jeder, aber nur wenige richtig gut. Wenn’s daneben geht, kann’s ziemlich unangenehm werden. Und außerdem muss man am besten selbst loslegen. Sonst wird das nix.

Wenn man 90 Minuten an der Fußball-Haltestelle rumsteht und darauf wartet, dass endlich ein Spielzug vorbeikommt, sieht das Ergebnis ungefähr so aus wie bei unseren gegen Sandhausen.

Und wie das klingt, wenn man an der Gesangs-Haltestelle auf die Stimmung wartet, könnt Ihr Euch ja vorstellen. Am besten gleich wegsingen den Gedanken.

Was mich zum Serviceteil dieser Kolumne bringt: Weil ich natürlich davon ausgehe, dass mein Zeugs Kabinen-Pflichtlektüre vor jedem Heimspiel ist, hab ich mal ein kleines Drehbuch fürs Spiel gegen Köln zusammengedengelt. Von Kabinenpredigt bis Abpfiff. Bisschen Platz zum Improvisieren ist noch, macht’s einfach wie beim Jazz.

Leitgedanke ist natürlich die Sache mit dem Bus und der Haltestelle. Mehr als eine Idee pro Kolumne ist nicht, Ihr wisst ja, Wirtschaftskrise und so. Also los.

 

Trainer: WER FÄHRT DEN FUSSBALLBUS?

Mannschaft: Hä?

Trainer + alle Co-Trainer, lauter: WER FÄHRT DEN FUSSBALLBUS?

Mannschaft (zögerlich): Schulle?

Trainer + alle Co-Trainer + Zeugwarte, noch lauter: WER FÄHRT DEN FUSSBALLBUS?

Mannschaft: Ach so, äh – WIR!

Trainer + Co.: WER BESTIMMT DEN FAHRPLAN?

Mannschaft: WIR!

Trainer + Co.: WER HAUT DIE TORE PÜNKTLICH REIN?

Mannschaft: WIR!

Trainer + Co.: WER SPERRT DIE FAHRBAHN IN GEGENRICHTUNG?

Mannschaft: WIR!

Millerntor (wenig später): AUX ARMES!

Tribünendächer: (wackeln)

Kölner Tornetz: (zappelt wie ein elektrischer Aal)

Braun-weißes Tornetz: (bewegungslos wie betäubter Tiefkühlfisch)

1. FC Köln: (nach 90 Minuten konsterniert ab).

Millerntor: (frenetischer Applaus)

Ich weiß nicht wie’s Euch geht, aber dafür würd ich glatt Eintritt zahlen. Obwohl ich selber mitspiele. Wie wir alle.

 

Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.