Glaube, Liebe – Hoffenheim …
Hobbys sind ja was Schönes. Der eine häkelt Topflappen, der andere schnitzt Heldenbüsten aus Champagnerkorken. Ich baue Vergleiche. Ein herrliches Vergnügen auf Auswärts-Rückfahrten.
Der FC St. Pauli ist wie: ein Schwamm, der sich immer wieder mit Tragik vollsaugt – bis er sie schlagartig als Euphorie wieder rausquetscht. Oder eine Batterie, die mit Niederlagen aufgeladen wird, um dann wieder Glücksgefühle anzutreiben. Oder wie ein wunderschöner Hollywood-Feel-Good-Film, bei dem der Regisseur in den Schlussminuten leider durchdreht und zum Teilzeitsadisten wird.
Früher war er ja auch manchmal wie ein Seiltänzer, der erst unterwegs merkt, dass die Schnur zu kurz ist, aber ich soll ja nicht so viel unken, sagt mein Therapeut .
Gibt ja eigentlich auch keinen Anlass dazu: Tolle zweite Halbzeit, viel besser als gegen Freiburg; Spiel gedreht, Tore von Asa und Kruse … Wenn da nicht das grauenhafte Finale gewesen wäre. Und wenn das Schicksal namens Schiedsrichter diesmal nicht mal wieder ganz besonders hart zugeschlagen hätte. Lieber, lieber Fu0ballgott: Kannst du nicht bitte auch mal Stürmerfoul pfeifen lassen?
So steht man am Rande, starrt fassungslos auf einen jubelnden Plüsch-Elch namens „Hoffi“, möchte gleichzeitig verzweifelt zusammenbrechen und sich in Embrionalstellung auf die Tribüne kauern oder auch die völlig geknickte Mannschaft umarmen, die leider mal wieder in einem dieser Paralleluniversen unterwegs ist, bei denen der Fußboden mit Reißzwecken statt mit weichem Glücksrasen bedeckt ist. Barfuß wohlgemerkt, das istim Fußball zwar Blödsinn, aber ich bin ja nich bei der Sportschau hier, sondern beim Vergleiche dichten.
Zweimal 2:2 zweimal zweifacher Punktraub … „Melancholie ist die Zitrone auf dem Schnitzel des Lebens“, hab ich mal mit 16 in mein Tagebuch geschrieben. Ich hoffe, das stimmt.
Und wenn das außerdem hinhaut, was ich mir da mit Akku und Schwamm zusammenphilosophiert hab, kann heute am Ende ja nur maximale Freude stehen.
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