Eckball-Kanone

20. März 2008 von Gegengeraden-Gerd

Mo, 10.03.2008, 20:15: FC St. Pauli - TSV 1860 München 0:0 (0:0)

Auch ne Idee ... Foto: Stephanie Smith / Wikipedia

Fabelhafte Sache, so‘n Traditionsverein. Man betrachte nur unseren magischen FC: Seit fast 100 Jahren wird so mancher Brauch hingebungsvoll am Leben erhalten.

Mein Favorit: Die FC St. Pauli-Traditionsecke(TM) . Flasch, lasch, kurz. Und ganz dicht am Gegner. Garantiert aufregende Konter und lässt das Spiel niemals langweilig werden. Kann mir mal einer erzählen, warum es die noch nicht im Fanshop zu kaufen gibt? Kiez-Corner(TM) , das Eckenset für den kleinen St. Paulianer. Nachzuspielen in jedem Wohnzimmer! Braucht nicht viel Platz, und Muttis Vasen bleiben auch heile.

Wobei – so rein vom Ergebnis her könnte ich mir ja auch vorstellen, mal was anders zu machen. Ich meine: Beim traditionellen Stadion-Nicht-Bauen machen wir ja auch inzwischen Kompromisse. Und wenn ich da so an das Spiel gegen München denke… Da sach ich doch: Vom Tennis lernen heißt siegen lernen! Nee, nicht dass wir maximal zwei gegen zwei spielen jetzt. Auch, wenn unsere Jungs da mächtig dran arbeiten, nech, Brunne? Alex?

Was ich meine sind die Kanonen! Jeder Kleinstadt-Tennisclub hat sowas seit Jahrzehnten rumstehen. Ersetzen den Aufschlag beim Üben, sind wartungsarm, beklagen sich nicht über fehlenden Platz zum Anlaufen und hauen die Pille genau da hin, wo man sie haben will. Also, wenn’s nach mir ginge: Statt dem neuen Riesenfernseher im Stadion hätte ich lieber `ne Eckball-Kanone gehabt. Vielleicht kann man das Ding ja noch umtauschen?

Stellt Euch vor: Ein Raunen geht durch die Menge, als Zeugwart Bubke die mörderische Kiezkanone auf den Platz rollt. Zündung. Der Donner hallt bis zur Müllverbrennungsanlage. Metallisch das Nachdröhnen der Nordtribüne. Wird die Statik halten? Auch der Gegner hat Angst. Und dann: Ein Schuss wie gemalt. Berechnet von den feinsten Ballistikern des Nordens. Der Ball fällt so präzise auf Sakos Schädel, dass der sich nicht mal mehr bewegen muss (für alle Fälle hat man ihn auf ein ferngesteuertes Podest montiert, Feinjustage und so). Dann der Abpraller: Tor. Herrlich! Ich glaube, gegen Osnabrück lass ich mal nen Klingelbeutel rumgehen…

Veröffentlicht in FC St. Pauli

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.