Die verdrängten Tore vom Kiez

26. August 2007 von Gegengeraden-Gerd

Fr, 10.08. 2007, 18:00: FC St. Pauli - 1. FC Köln 0:2 (0:0)
So,19.08. 2007, 14:00: FC Carl Zeiss Jena - FC St. Pauli 0:1 (0:1)

Bagger vor der Gegengerade

Ganz großes Bohei neulich: Kampfmittelräumdienst am Millerntor! Also erstmal: Wenn’s nach mir ginge, bräuchten wir das nach jedem Spiel. DFB-Schergen in Spezialrüstung trennen Kiezkicker mit Schaum vorm Mund von den Waden des Gegners. OK, soweit sind wir noch nicht ganz, aber der Einsatz stimmt.

Aber Scherz beiseite: Die Kampfmittel-Onkels waren ja wirklich da. „Chemische Kampfstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg“ angeblich. „Bei Grabungsarbeiten im Bereich der Südkurve war ein Gefäß mit einer ätzenden Flüssigkeit entdeckt worden“, schreibt die Zeitung. Richtig gelesen: Bauarbeiten! Die bauen sogar, wenn keine DSF-Kameras dabei sind! Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Aber der Rest: alles Humbug!

In Wirklichkeit war das ätzende Zeug nämlich nix anderes als der gesammelte Frust aus geschätzten 50 Millionen versiebten Torchancen. Die Hälfte davon aus dem Köln-Spiel. Ich meine, darf das wahr sein? Fast 90 Minuten überlegen. Und wenn dann das Runde ins Eckige soll: Drüber, daneben, drunter, vorbei! Es gibt ja so Zen-Bogenschützen, die treffen mit verbundenen Augen ins Schwarze. Unsere Jungs würden mit offenen Augen nicht mal ‘ne Fliege ins Scheunentor dreschen oder so. Jedenfalls nicht an dem Tag!

Und das hat natürlich Folgen. Seelenklempner wissen, wie das geht: verdrängte Gefühle und so. Sickern schnurstracks ins Unterbewusste. Und ehe man sich versieht, steht man knarreschwingend im Supermarkt und hat zwölf Geiseln genommen.

Tja, und mit verdrängten Toren ist das natürlich genau so. Sammelt sich alles im Unterbewusstsein des Stadions. Und wenn man‘s nicht rauslässt: Fruststau! Gärung! Explosionsgefahr! In zirka 100 Jahren Klassenkampf zwischen Auf- und Abstieg kommt da ganz schön was zusammen. Das haben sie ausgebuddelt neulich und nix anderes. Von wegen Feuerwehr, das waren Psychoanalytiker mit Schaufel!

Tja. Und jetzt buddeln sie wohl in Jena. Fast 90 Minuten Spiel aufs braun-weiße Tor. Und wer gewinnt am Ende? Wir! Hat der Fußballgott wohl mal wieder‘n Clown gefrühstückt. Wohl bekomm’s.



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Veröffentlicht in FC St. Pauli

Dein' Senf dazugeben? Man zu!

Achtung, Achtung: Nich übelnehmen, liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren, aber ich guck immer kurz nochmal rauf, was ihr so schreibt. Nich dass das am Ende schlimmer is' als mein Zeugs. Also, wenn eure Sachen nich sofort erscheinen, nicht gleich die Blauhelme rufen oder zehnmal posten. Geht trotzdem schnell. Danke!

Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 53, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Gegen Bestechung in Form diverser Sachzuwendungen hat er sich bereit erklärt, die Redaktion der Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger zu unterstützen.

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