Der innere Super-Grobi

7. April 2009 von Gegengeraden-Gerd

So., 05.04.2009, 14.00 Uhr: SV Wehen Wiesbaden – FC St. Pauli 3:1.

Jetz hilf mir mal, Schnecke! Hier wächst bestimmt irgendwo der blaue Rindenpilz! Foto: Norbert Harz.

Merkt Euch den Blauen Rindenpilz, Freunde. Pilz des Jahres 2009. Unglaublich selten. Wahnsinnig bedroht. Steht ganz kurz vor dem totalen Exitus und lebt an den Unterseiten abgestorbener Äste am Boden des Waldes. Wär das nicht eine unheimlich tolle Sache zum Retten? Müssen es wirklich immer Abstiegskandidaten sein?

Schau mal, liebe Mannschaft: So groß ist der Unterschied nicht. Als Pilzeretter wärt ihr auch an der frischen Luft, und außerdem – was steht da in meinem schlauen Handbuch? „Der Blaue Rindenpilz ist ein sogenannter ‚Fäulnisfresser‘ und lebt ausschließlich von toter organischer Substanz.“ Genau wie der SV Wehen am Sonntag! Denn der Moment, in dem die den Brasilianer in sich entdeckt haben, der selbst engagierteste Gegner in Grund und Boden spielt  – also dahin, wo der Blaue Rindenpilz lebt – muss stattgefunden haben, als ich nicht im Stadion war.

„Der Blaue Rindenpilz ist ein sogenannter ‚Fäulnisfresser‘ und lebt ausschließlich von toter organischer Substanz.“ Genau wie der SV Wehen am Sonntag! 

War ich aber, 90 Minuten lang, und die Welt ist zu klein für all die Regionen, an denen ich mich lieber aufgehalten hätte. Also gab’s wohl keine Verwandlung. Wehen spielt wirklich wie ein Absteiger – und wir tanzen Niveau-Limbo mit den Unglückspilzen des Fußballs. Hängt die Stange tiefer, wir können noch schlechter! Unser 3:1 in Aachen ist erst zwei Spiele her. Rückblickend wirkt das wie `ne Halluzination.

Genau wie unser 1:0 in Wehen. Der perfekte Mix aus Glück und Gnadenlosigkeit: zweite Minute. Lechners Pass landet beim Gegenspieler, prallt aber im Strafraum zu Ebbers. Der hat noch richtig viel Zeit, um mit Trojan auszuhandeln, wer ihn reinmacht – drin. Die Wehener ein Häufchen Elend. Und unsere Spieler alle auf dem Weg in die nächste Telefonzelle: Umhang an, Helm auf. Zeit für den inneren Super-Grobi.

Wir tanzen Niveau-Limbo mit den Unglückspilzen des Fußballs. Hängt die Stange tiefer, wir können noch schlechter! 

OK, das war Spaß. Was in echt passiert ist, nicht: Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es sind zwei Simac-Kopfbälle! Und die kommen mit genauso wenig Gegenwehr zu Stande wie Öztürks Spaziergang durch unsere gesamte Verteidigung – 3:1. Wehen hofft wieder. Wen retten wir als nächstes?

Kleiner Tipp, falls es doch kein Pilz sein soll: Dem Vogel des Jahres geht’s auch nich gerade golden. Also los Männer, der Eisvogel braucht Eure Hilfe! Aux Armes!

Veröffentlicht in FC St. Pauli

5 Antworten

  1. Jekylla

    Ich bin immer noch nicht durch mit dem Tag.
    Das mit dem Eisvogel ist eine gute Idee. Damit könnte ich noch kommende Punktverluste besser verschmerzen. Dann wär die Truppe wenigstens gut zu..

    Nein, keine Kalauer, die Sache ist ernst.

  2. Michael

    …ich sehe sie schon mit Stani durch die Wälder ziehen……
    Gute Idee jedenfalls !!!
    Hoffen wir mal noch auf ein paar Gegner die zum Abschuß frei gegeben sind !!

  3. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » (K)ein Date mit Deja

    [...] Stamme der Vu. Die, deren Namen die Franzosen rufen, wenn sie das komische Gefühl haben, irgendwas nu aber wirklich schon mal erlebt zu haben irgendwo, [...]

  4. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Heimkehr aus Haderborn oder: An einem Tag wie jeder andere

    [...] es ein Vogel? Ist es der Fußballgott? Nein, es ist nicht einmal Super-Grobi: Mit der Wucht eines Kometeneinschlags geht das abgeschossene Beobachtungsflugzeug des Deutschen [...]

  5. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Der Geist, der stets vergeigt

    [...] Der heilige Sankt Pauli hat in seiner über hundertjährigen Geschichte mehr bedürftige Vereine aus der Trübnis des Tabellenkellers gerettet als Superman hilflose alte Damen aus brennenden Häusern! Und das auf rein sportlichem Wege! [...]

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.