Bratwurst-Anarchie

11. November 2008 von Gegengeraden-Gerd

Mo., 10.11.2008, 20.15 Uhr: SC Freiburg – FC St. Pauli 2:0
So., 02.11.2008, 14.00 Uhr: FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg 1:0

Ging mir auch so. Foto: Norbert Harz

Wie heißt das so schön? Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Stimmt genau der Spruch. Auf die Story vom Freiburg-Spiel können sich meine Enkel schon mal freuen.

Wenn alle anderen Geschichten aufgebraucht sind und ich durch bin damit, wie die Salzkekse auf der Hinfahrt geschmeckt haben. Oder was man mit nem freien Montag noch so alles hätte anfangen können, und dass der gemeine Freiburger zwischen mehr Stadionwurstsorten wählen kann als fast jeder andere Fußballabhängige dieser Galaxis, weil die Wursting-Rechte oder wie man das nennt da nich zentral vergeben werden. Bratwurst-Anarchie sozusagen, jeder Grillbuden-CEO macht sein Ding. Faszinierend, würde Spock sagen. OK, macht er fast immer. Bei unserem Montagsspiel hätte er aber ne Ausnahme gemacht.

Die Höhepunkte: Schulle klärt mit links auf der Linie, Eger hat so um die 30. beinahe die Ahnung der Chance auf eine Chance, und kurz vorm Pausen-Pils darf das Publikum sich über einen satten Bruns-Schuss freuen. Nach dem Wechsel tiefes Mitleid mit den Freiburgern Türker und Schlitte, deren ungedecktes Dasein im Strafraum dem erschütterten Publikum die ganze Einsamkeit der menschlichen Existenz in den Weiten des Weltalls vor Augen führt. Man könnte mit ihnen weinen, würden sie keine Freudentränen vergießen über die widerstandslosen Buden, die die beiden Ganoven aus der Situation rausgeschlagen haben.

Ehe der Vorhang fällt dann eine nette Geste von Boll, dass der Ball kurz vor Schluss nochmal das Freiburger Tor von oben sehen durfte. Doch doch, hat sich gelohnt, die Reise.  Die 38 Millionen Kilometer bis ins Breisgau sind nix, wenn man sie mit anderen Entfernungen vergleicht. Zum Beispiel die unserer Mannschaft zum Sieg.

Äh ja, und Nürnberg, zu Hause, wo Wurst-Disziplin herrscht und unser Abwehr-Bollwerk immer sicherer steht? Großartig, packende Partie, und einen Torinstinkt wie jenen des Herrn Clubberers Goncalves würde ich jedem unserer Gegner gönnen. Aber jetzt muss ich aufhören, Buchstabensuppe is‘ alle.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

2 Antworten

  1. Auch nach dem Spiel sollten wir schweigen « The Boys and Eve

    [...] Das Abendblatt dokumentiert die Aktionen gegen das DSF und das Spiel mit verdient negativem Ausgang für unseren FC. Der Stadionsprecher soll laut Abendblatt “Der Verein bittet euch, die Mannschaft zu unterstützen. Wir sind wegen der drei Punkte hier und nicht wegen des Fernsehens” durchgesagt haben, ließ aber offen, wenn er mit “wir” meinte. Vielleicht die Mannschaft. [...]

  2. FC St. Pauli: Wenigstens redet keiner mehr vom Aufstieg — ring*2

    [...] Der Wind, der über die sattgelb erleuchtete Kreuzung gen Schulterblatt fegt ist mild, zu mild für einen traurigen November-Montag. Ob es in Freiburg auch so mild war? Mehr als eine schöne Pieke von Bruns war ja nicht zu sehen, von St. Pauli gestern.[...]

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.