Ausgebunkert

19. August 2012 von Gegengeraden-Gerd

Sa., 18. August 2012, 15:30: Offenburger FV – FC St. Pauli 0:3 (0:1)

SENSATION: Geheimer Schutzraum in der neuen Gegengerade entdeckt! Bestimmt ein pokalsicherer Bunker!

Camouflage-Klamotten für die Mannschaft, was? Als ich vor unserem Pokalspiel davon gehört hab, konnte ich das sofort nachvollziehen.

Trier, Chemnitz, Aue: Nicht unbedingt das große Pokalkino, von dem man später seinen Enkeln erzählt. Mehr so der Jugendsünden-B-Movie oder „HatteKeinGeld“-Porno, den man sofort nach Entstehen vedrängt. (Und den irgendein Boulevard-Recherchesklave genau dann wieder aus den Verlagsarchiven kramt, wenn man gerade den Oscar kriegen, zum Bundestrainer ernannt oder Präsident seines Kleingärtnervereins werden will und so was überhaupt nicht passt.)

Lange Rede, kurzer Sinn: Volles Verständnis für den Wunsch, inkognito bleiben zu wollen, wenn der nächste Teil der braun-weißen DFB-Pokalsaga abgedreht wird.

Bloß dass, DENKFEHLER: ein weiß-braunes Camouflagemuster aufm Hemd natürlich nur dann Tarnung ist, wenn man auch den Rasen braun-weiß anmalt. Oder wenigstens ein paar Büsche darauf pflanzt.

Wenn man das nicht macht, kann der Camouflage-Look sich sogar ins genaue Gegenteil verkehren und total auffallen – denkt nur an unsere „Bokal“-Helden von 2005/6!

Von daher hätte ich in der aktuellen Situation eher das „Modell Bilbo Beutlin“ vorgezogen. Ihr wisst schon, dieser praktische Überwurf aus dem „Herrn der Ringe“. Sobald man den über der Birne hat, ist man unsichtbar. Und zwar unabhängig davon, ob man auf Rasen spielt, Asche oder Grand. Echte Marktlücke in der Sportbekleidung! Würde bestimmt auch der eine oder andere Bundesligist gerne haben.

- So oder ähnlich ging mir das durch den Kopf, während ich mich in meinen neuen Lieblingsplatz für Pokalbegegnungen zurückzog. Der ist grau, kühl, hat dicke Wände und ist so ein- und ausbruchssicher wie Alcatraz. Und er befindet sich mitten in der neuen Gegengerade. Könnt Ihr Euch gern angucken auf dem Foto oben!

Entdeckt vorm Stadion-Puschenkino gegen Ingolstadt. Da hatte ich mich gefragt, was der komische Raum da sollte. In der Nacht von Freitag auf Samstag traf mich dann die Erkenntnis wie Lechners legendärer Hammer zum 3:3 gegen Hertha BSC im besten aller „Bokal“-Spiele: HEUREKA! SIE HABEN UNS EINEN POKALSICHEREN BUNKER INS STADION GEBAUT!

Das nenn ich gut investiertes Geld, denn den kann man als St. Paulianer immer gut brauchen.

Ich also mit ner Reisetasche Ravioli, Getränken für eine Woche und genug Fußballendzeitfantasien für ein ganzes Stadion rein ins Pokalbunkervergügen. Am Samstagmittag. Nix hören, nix sehen, nix sagen – herrlich! Kein Handy, kein Radio, kein Fernsehen. Viel einfacher als sich zu Hause abzuschotten (wie am Ende von dem Dingen hier).

Und wie ich mir so die Langeweile damit vertreibe, Gedenksteine für die Verantwortlichen zu schnitzen und mir das 2:1 für Offenburg in der 90+2. Minute möglichst farbig und variantenreich auszumalen – was passiert? Nach nicht mal 24 Stunden werd ich schon wieder ausgemauert!

Und was erzählen die Retter? „3:0!“ – „Schöner Auswärtstrip, nette Gastgeber“ – „Saglik, Saglik, Ginczek“ – „Nicht unbedingt Tempofußball“ – „Aber  konsequent durchgezogen!“

Ich war baff. Und wie ich mir in der Entpokalisierungsschleuse die Skepsis aus dem Bart kämme, fang ich tatsächlich an, mich ein bisschen zu freuen. Weil, kann ja auch ganz schön toll sein, so ne Pokalserie. Denn ob ligamäßig so viel passiert diese Säsong?

Aber ganz ohne Knurren geht’s natürlich nicht: Da bauen wir also die ganze Gegengerade neu, um endlich ne Möglichkeit für pokalsichere Schutzräume zu haben – und schon kriegen unsere Jungs das mit dem Vergeigen nicht mehr hin. Da hätten wir  uns den ganzen Pokalbunker auch sparen können.

Mann, Mann, Mann, FC St. Pauli – manchmal regiert bei dir immer noch die gute alte Misswirtschaft.

Bis nächste Woche, 
Euer Gerd

P.S.: Muss meine Kritik n Stück weit zurücknehmen. Wenn ich mir anguck, wie gewisse andere Mannschaften sich dies Jahr im Pokal geschlagen haben – dann bin ich mir ziemlich sicher, dass der pokalsichere Bunker bald Auflage in jedem Bundesligastadion wird.  Wie sach ich doch immer? Ich trink ja gern Bier. Aber manchmal schmeckt Schadenfreude noch besser.

Mehr zum Spiel: Podcast vom AFM-Radio, Spielbericht vom magischerfcblog, Presseschau von Blutgrätsche Deluxe

Veröffentlicht in FC St. Pauli

Eine Antwort

  1. Ring2

    Reisetasche Ravioli :) )

Deinen Senf dazugeben? Man zu!

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.