13.000-Master

23. Februar 2013 von Gegengeraden-Gerd

*Schluck* (Foto Stefan Groenveld)

Freitag, 22. Februar 2013: FC St. Pauli – FSV Frankfurt 3:0 (1:0)

Am Ende hatte Daniel Ginczek den Ball verschluckt und ich die ganze Welt.

Sie schmeckte braun-weiß und nach Glück, und selbst durch meine Bauchdecke konnte man sie noch Krach machen hören.

Ick heff mol en Hamborger Veermaster seh’n …

Ein Mann mit Bart stimmte den “Hamborger Veermaster” an, und die Menschen sangen. Noch nicht alle, aber viele. Genau wie an diesem Abend vielleicht nicht alles ging, aber so unfassbar viel, das “Alles” im Vergleich ganz schön armselig wirkt. Wer braucht schon Champions League, wenn er FC St. Pauli gegen den FSV Frankfurt haben kann?

… de Masten so scheef as de Schipper sin Been …

“Holla”, dachte ich plötzlich. “Ein Lied über einen total verramschten Viermaster mit schiefen Masten und schmutzigem Deck – und das Ding segelt trotzdem um die halbe Welt, bis nach Kalifornien? Ja, na gut, wenn die Jungens und Deerns ordentlich in die Segel pusten, kann das wohl hinhauen.”

Blow, boys, blow – to Californio …

Und dann dachte ich mir, dass das eigentlich ein Lied über das alte Millerntor hätte sein können. Besonders vielleicht über die alte Gegengerade (sorry, liebe Südler, Nordler und Hauptler, da wohn ich nunmal, da kannte ich jede Pfütze.)

“Dat Deck wer full Isen, full Schiet und full Schmeer” und so. Ich weiß nicht, ob ihr das noch auf der Grundschule gesungen habt, ich schon.

There is plenty of gold, so I am told – on the banks of Sacramento

Und trotzdem sind die olle Gegengerade und das ganze alte Millerntor verdammt oft einfach losgesegelt. Egal was ist, irgendwo würde das Gold schon sein. Und manchmal, ab und zu, ganz selten, da haben wir wirklich etwas gefunden. Dann aber nie so’n paar Gramm. Wenn es Gold gab, dann tonnenweise. Das reichte Jahre.

Der “Hamborger Veermaster” auf der ewigen Suche nach Gold und Glück … Schön eigentlich.

“Aber das kommt doch gar nicht mehr hin, das Lied”, meint die Brillenschlange neben mir plötzlich. (Brille kommt immer mit solchen Hinweisen und besonders dann, wenn ich mal ne Prise Metaphern schnupf oder wie dieser Würztabak heißt.) “Die Masten sind doch gar nicht mehr schief. Das Deck ist geschrubbt, und das Bier kommt in sauberen Pfandbechern mit André Schuberts polierter Glatze.”

“Na gut”, denk ich. “Dann isses halt jetzt ein 13.000 Master. Auf dem neuesten Stand der Segeltechnik.”

Das wichtigste ist: Gegen Köln hat er den Anker gelöst. Gegen Frankfurt ist er losgesegelt. Am Ende ist er zwar nicht in Kalifornien angekommen, aber auf jeden Fall irgendwo ganz weit weg. Ich weiß nicht mal, ob’s noch auf diesem Planeten war.

Ich kann die nächste Reise kaum erwarten.

 

Mehr zum Spiel: Kleiner Tod, Ostblock St. Pauli, SPNU, Der Übersteiger, Pathos93; Fotos von Stefan Groenveld.

Veröffentlicht in FC St. Pauli

8 Antworten

  1. Besser als die Realität – oh, nein, das war ja gar kein Traum. #FCSP besiegt den Torfluch gegen FSV Frankfurt | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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  2. 23.Spieltag (H) – FSV Frankfurt, oder: “Hinten kackt die Ente” | Übersteiger-Blog

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    [...] St. Pauli schlägt den FSV Frankfurt mit 3:0 und Gegengeraden Gerd lässt den Hamborger Veermaster lossegeln [...]

  6. Sebastian

    Sauber!Sehr schön gesagt!Danke!

  7. Gegengeraden-Gerd

    @Sebastian: Dankeschön! Aber ohne das Spektakel von den 12.999 anderen hätt ich nix zum Schreiben gehabt! Und natürlich von Süd, Nord und Haupt!

  8. Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Schlafes Brüder

    [...] drei unzerkratzte Punkte haben auch was für sich. So ein richtig schön souveräner Heimsieg wie damals gegen Frankfurt, das wär doch mal Balsam für den Kreislauf. Tschauni kann ja trotzdem in der 90. nach vorne [...]

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Über Gegengeraden-Gerd:

Gerhard von der Gegengerade, 55, ist seit 1910 Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli.

Als leicht entflammbare Ein-Mann-Meckerecke regt er sich über das Geschehen am Millerntor und in der sonstigen Fußballwelt auf. Das Ergebnis veröffentlicht er hier und auf Twitter in wüsten Pamphleten zwischen Wahn (klar erkennbar) und Witz (möglicherweise unfreiwillig).

Nebenbei unterstützt Gerd die Stadionzeitung VIVA ST. PAULI als Fußball-Sachverständiger.