1000 Meisterwerke: Apokalypse WOW!
Meine Damen und Herren, liebe Kunstfreunde!
Viel ist bereits geschrieben worden über die mannigfaltigen Wege, auf denen sich die urgewaltige Kreativität der Rostocker Stadionkunstszene am vorvergangenen Wochenende mitteilte.
Vom post-dadaistischen Obst-Happening (welch cleverer Weg, ein Motiv des klassischen Stilllebens mit der Dynamik zeitgenössischer Performance Art zu verbinden) bis zum kühnen Rückgriff auf die prä-zivilisatorische Schlichtheit der Jungsteinzeit war eigentlich alles dabei.
Erschreckend nur, dass ein wahres Kleinod der Stadionkunst von den Fußball-Feuilletons bis zum heutigen Tage ignoriert wurde. Ließ doch schon seine bedachte Platzierung in einer unauffälligen Ecke der DKB-Galerie das Genie des unbekannten Meisters erahnen: Entsteht nicht die spannendste Kunst stets in der Nische?

Ein Gesicht, ein Flammenpilz, im Hintergrund eine Art Festung: Mit klarer Staffelung und archaischer Wucht zwingt dieses meisterhaft komponierte Tryptichon-in-One in der Bildmitte unserer fotografischen Reproduktion den Betrachter zum Assoziieren.
Fegefeuer, jüngstes Gericht, Apokalypse – was hier mit einfachen Fingerfarben auf quadratisches Linnen gezaubert wurde (vermutlich Fan-Bettwäsche Hamburger Ursprungs; die Rostocker Szene schätzt den soliden Zwirn der Manufakturen am Millerntor), das erinnert an die ganz großen Meister der Weltuntergangs-Malerei vom Range eines Hieronymus Bosch.
Am deutlichsten jedoch zeigt sich das Können unseres unbekannten Genies in einer Maßnahme, die in der Vergrößerung noch besser zur Geltung kommt: Es ist der Mut zur Entstellung. Die freie und bewusste Entscheidung für die maximale Reduktion der Gesichtszüge bis zur Unkenntlichkeit verleiht diesem Werk wahre Tiefe. Bestechen andere Rostocker Arbeiten durch die bewusste Omission von Lettern und Sinn, so wird hier durch das Weglassen und Verfremden von Konturen frappierende Wirkung erzielt.
Der Abgebildete ist nicht identifizierbar; er ist ein Jemand und doch zugleich ein Niemand. Keanu Reeves oder Christian Clerici? Karl-Theodor zu Guttenberg (nach der Entbrillung) oder Max Schautzer? Sie alle könnte unser namenloser Protagonist sein – ja sogar wir selbst.
Ein erschütternder Kommentar zur Ent-Individualisierung in unserer anonymen Massengesellschaft.
Nur aufmerksamstes Wahrnehmen der begleitenden multipersonalen Klanginstallation, welche die gesamte DKB-Galerie umfasst, liefert schließlich doch einen Namen – und letztlich den Schlüssel zum undurchdringlich scheinenden Enigma unseres heutigen Meisterwerkes.
Denn ist da nicht ein Name, der immer wiederkehrt? Ein stetiges Rufen und Raunen – das nur innige Anrufung sein kann: ein sehnsüchtiges Gebet an jenen Mann, der im Vordergrund unseres Rostocker Linnens thront. Mit heiler Haut und unversehrt am Rande eines flammenden Infernos – wie sonst nur der Heiland beim Himmelsgericht.
Ja, so muss es sein. Denn nur sein Name liegt häufiger auf den Lippen des Rostocker Publikums als Bananen auf dem Rasen. Verbindet man als deutendes Subjekt diesen Hinweis mit einer Sensibilität für das raue Idiom der Jugendsprache heutiger Galerie-Fankurven, so steht am Ende eine eindeutige Lösung des ewigen Rätsels:
„Was will der Künstler uns damit sagen?”
Nun, da kann es nur eine Antwort geben:
„DENIZ NAKI IST DIE BOMBE!”
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Und beehren Sie uns doch bald wieder, wenn es heißt: „1000 Meisterwerke aus den Freiluftgalerien dieser Welt“.
Foto: Norbert Harz
P.S. Dass der FC Hansa Rostock auch in der Werbekunst ganz weit vorn ist, beweist folgender Beitrag im Lichterkarussell …
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Veröffentlicht in FC St. Pauli


30. November 2011 um 17:23
Eine sehr treffende Interpretation.
Dass es sich um das Werk eines wahren Meisters handeln muss zeigt übrigens auch die formale Reminiszenz an einen der größten Künstler des 16. Jahrhunderts: Caravaggio.
Die gekonnte Transformation vom rechteckigen ins runde Format allein durch das Mittel der Malerei kann nur als Anlehnung an das berühmteste Rundbild der Kunstgeschichte verstanden werden: Caravaggios Medusa.
Zudem lässt sich hier auch noch eine weitere inhaltliche Parallele erkennen. Findet sich doch sowohl bei Caravaggio als auch beim unbekannten Meister aus Rostock im Zentrum des Bildes ein Kopf mit weit geöffnetem Mund. Welche Botschaft will uns der unbekannte Künstler damit vermitteln?
Verfügt die als Deniz Naki identifizierte Person möglicherweise über ähnliche Fähigkeiten wie die Medusa und lässt die Gegner bei seinem Anblick erstarren?
Zweifelsohne scheint der Künstler mit der Person Deniz Naki durch ein traumatisches Erlebnis verbunden zu sein, welches er hier aufzuarbeiten versucht. Zwischen der fast greifbaren Ruhe im rechten Bildhintergrund und der Momentaufnahme einer gewaltigen Explosion im linken Bildhintergrund befindet sich nur der Kopf Deniz Nakis.
Dies weist darauf hin, das dieser durch eine nicht näher bestimmte Tat in der Vergangenheit eben solch eine für den Künstler aufgrund ihrer Plötzlichkeit und Zerstörung schockierende Veränderung herbeigeführt haben muss. Diese hat ihn offensichtlich über eine längere Zeit hinweg beschäftigt und wurde nun in diesem großartigen Meisterwerk aufgearbeitet.
30. November 2011 um 18:07
Sehr schön! Ironie und Sarkasmus sind die besten Mittel solchen Dingen zu begegnen.
Ach ja: DENIZ NAKI IST DIE BOMBE
30. November 2011 um 18:29
@nobynat: Kommentar des Monats
! Und sehr erhellend, vielen Dank!
@Weird Mungo: Da versuch ich einmal so richtig einen auf Bildungsfernsehen zu machen, und schon denken die Leute wieder, ich bin ironisch. Was mach ich bloß falsch?
Aber Danke!
30. November 2011 um 22:54
mal ganz unironisch: ob’s nich doch eher einen gewissen Martin R. darstellen soll, ihr wisst schon, der komische Psychopath der damals dem Boller die Stirn bieten wollte…
1. Dezember 2011 um 10:05
@el: Du meinst den hier?
http://youtu.be/CMaajSy_VRc
http://www.gegengeraden-gerd.de/fc-st-pauli/teilchenbeschleuniger/
Interessante Theorie! Aber würden die wirklich einen Spieler erinnern, der schon seit zwei Jahren beim AC Horsens in Dänemark spielt?
1. Dezember 2011 um 11:11
Denke schon, weil die Person R. für jenen psychopathischen und kernspaltungsfähigen (;-)) Hass auf alles Braunweisse (insbesondere auf Deniz) steht, wie er in weiten Teilen von HRO gehegt, gepflegt und angereichert wird… Ausserdem sieht der Typ auf dem Fetzen dem R. doch ein bisschen ähnlicher als unserem Deniz…
1. Dezember 2011 um 11:17
ps. Verstrahlung vergisst man nunmal nicht
1. Dezember 2011 um 17:24
@el: Wenn dem so sein sollte: Wahnsinn, hat als Provokation ja _noch_ besser funktioniert als die supi Bananenshow *kopfschüttel* …